Hohe Ölpreise

FTD-Leitartikel zur Atomkraft-Debatte: Bayerischer Atomversuch

Die hohen Ölpreise haben die Debatte um die Notwendigkeit eines Ausstiegs aus der Atomenergie neu entfacht - auch die Financial Times widmet der aktuellen Diskussion einen Leitartikel. Quintessenz: Die Kernenergie zum Tabu zu erklären, wäre der falsche Weg, da bisher kein überzeugendes Konzept zum Ersatz vorliege.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (red) - Die Financial Times Deutschland erschien heute mit einem Leitartikel zur neuentflammten Debatte um die weitere Nutzung der Atomenergie. Darin heißt es:

Seit Jahren tingelt der bayerische Ministerpräsident mit dem Ruf nach dem Ausstieg aus dem Atomausstieg durchs Land. Jetzt hat Edmund Stoiber seine Forderung mal wieder bekräftigt - und überall in der Republik heulen die Alarmsirenen. Das hat einen Grund: Während die Debatte über die künftige Energieversorgung Deutschlands bisher in Fachzirkeln geführt wurde, bringt der rasante Ölpreisanstieg viele ins Grübeln.

Woher soll die Energie in Zukunft kommen, und wie sind Klimaschutz und Atomausstieg zu vereinbaren? Auch Stoiber weiß, dass der von Rot-Grün beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie derzeit nicht zur Disposition steht. Nicht nur, weil das massenhaft Bürger auf die Straße treiben würde. Kein einziger Stromversorger will im Augenblick ein neues Kernkraftwerk bauen, weil sich die Investition angesichts riesiger Kapital-, Versicherungs- und Betriebskosten und unsicherer Erträge nicht rechnet.

Das muss jedoch nicht immer so bleiben. Kernkraft deckt heute in Deutschland rund ein Drittel des Strombedarfs, in Bayern sogar fast zwei Drittel. Bisher gibt es kein überzeugendes Konzept dafür, die Lücke zu schließen. Erneuerbare Energien und vor allem Energiesparen könnten allenfalls einen Beitrag leisten. Damit bliebe die Abhängigkeit vom Klimakiller Kohle - oder dem Atomstrom aus dem Ausland.

Kernenergie zum Tabu zu erklären wäre daher der falsche Weg. Zumindest die Option auf einen Wiedereinstieg muss offen bleiben. Vielleicht gelingt es den Forschern ja, einen betriebs- und auch terrorsicheren Reaktor zu entwickeln. Derzeit ist das aber noch Zukunftsmusik.

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