Strom-News
StromengpassIn Frankreich steht derzeit fast ein Drittel aller Atomreaktoren wegen Wartungsarbeiten oder Störfällen still. Netzbetreiber haben schon vor Stromausfällen gewarnt, da die meisten Franzosen mit Strom heizen und der Stromverbrauch nun in der kalten Jahreszeit kräftig ansteigt.
Paris (afp/red) - 18 der 58 Reaktoren seien derzeit nicht in Betrieb, ergab eine AFP-Befragung der Kraftwerksbetreiber vor Ort am Montag. Normalerweise sind maximal vier bis fünf Reaktoren zu Beginn der kalten Jahreszeit gleichzeitig abgeschaltet, wenn viele Franzosen ihre Elektroheizungen einschalten. Der französische Netzbetreiber RTE hat schon am Freitag vor möglichen Stromausfällen bei einer starken Kältewelle gewarnt. Er kündigte an, dass Frankreich schon ab Mitte November voraussichtlich Strom importieren müsse.
Frankreich erzeugt etwa drei Viertel seiner Elektrizität in Atomkraftwerken. Ein Drittel der Haushalte heizt mit Strom. Die Kraftwerke des Energiekonzerns EDF sind bei Wartungsarbeiten und der Brennstoffversorgung im Frühjahr durch einen Streik in Verzug geraten. Diese Arbeiten können jetzt nicht weiter aufgeschoben werden. Gewerkschaften bei EDF machen ihrerseits Kostensenkungen und die Auslagerung an externe Dienstleister für eine steigende Ausfallquote bei den Kraftwerksanlagen verantwortlich. Tatsächlich fiel die Verfügbarkeit der französischen Atomkraftwerke von durchschnittlich 83,4 Prozent im Jahr 2005 auf nur noch 79,2 Prozent im vergangenen Jahr.
Der neue Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will Zusatzgewinne der Energiekonzerne durch eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken einkassieren. Die Profite aus längeren AKW-Laufzeiten sollen zumindest teilweise in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden.
Seit der Bundestagswahl formiert sich der Widerstand gegen den umstrittenen Atommeiler Neckarwestheim neu. Der Reaktor sollte nach dem Atomgesetz nächstes Jahr vom Netz gehen, doch unter Schwarz-Gelb ist mit einer Laufzeitverlängerung zu rechnen. Die AKW-Bewegung kämpft, doch dies sieht man in der Gemeinde Neckarwestheim garnicht gern.
RWE ist offenbar aus dem Projekt zum Bau eines Atomkraftwerkes in Bulgarien ausgestiegen, wie Medien unter Berufung auf die staatliche bulgarische Energieholding (BEH) berichten. Der Bau des Kernkraftwerkes Belene ist bereits lange umstritten, da die Anlage in einem Erdbebengebiet liegt.
Nach dem Fund von kiloweise angereichertem Uran und Plutonium in einer südfranzösischen Atomanlage haben Kernkraftgegner vor weiteren "sehr unangenehmen Überraschungen" gewarnt. Zudem seien viele Atomanlagen in Frankreich in einem schlimmen Zustand der Baufälligkeit.
Ob kochen, heizen oder fernsehen - in Frankreich funktioniert fast alles mit Atomstrom. Jetzt will Präsident Nicolas Sarkozy die Kernkraft auch auf die Straße bringen - mit einer riesigen Elektroauto-Initiative. Nicht nur Atomkraftgegner haben Bedenken.