Untersuchung läuft noch

Forsmark-Panne war angeblich gravierender als vermutet

Der Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark war nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" gravierender als bislang vermutet. Zu diesem Schluss komme ein Papier der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), berichtete das Blatt. Die Fehlerkette sei alarmierend, hieß es.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Demnach habe in dem Reaktor nicht allein eine Panne bei der Notstromversorgung vorgelegen. Vielmehr habe eine offenbar eine ganze Reihe von Fehlern dazu geführt, dass die Notstromaggregate in Betrieb gehen mussten.

Nach einem Bericht der "Netzeitung" sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Reaktorsicherheit bei der schwedischen Strahlenschutzbehörde (SKI), Björn Karlsson, dass "sich das Bild durch die Klärung von Einzelheiten deutlich verschlechtert hat." Bei dem Versagen von zwei Notgeneratoren nach dem Herunterfahren eines Reaktors im Juli handelt es sich nach Einschätzung von Karlsson um den "schlimmsten Vorfall in der Geschichte der Atomkraft in Schweden".

Schwedens Umweltministerin Leni Sommerstad kündigte an, die Regierung werde aus dieser Einschätzung Karlssons praktische Konsequenzen ziehen. Die SKI hatte nach dem Störfall in Forsmark vier der insgesamt zehn schwedischen Atomreaktoren abschalten lassen. Über eine neue Betriebsgenehmigung soll erst nach Abschluss der Untersuchungen zu dem Störfall entschieden werden.

Derweil kritisierte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ebenso wie Grünen-Fraktionschefin Renate Künast die Ablehnung der von ihrer Fraktion geforderten Sondersitzung des Bundestags-Umweltausschusses zum Thema Forsmark. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sprach am Donnerstag von "einem Rückfall in die Urzeit der Atomkraftdiskussion in Deutschland". Auch vor der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 habe "eine ganz große Koalition der so genannten Altparteien" versucht, die im Parlament von den Grünen angestoßenen Atomdebatten zu verhindern, erklärte Resch in Berlin.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte dagegen, wenn die Grünen Informationsbedarf zu Forsmark und dem Atommeiler Brunsbüttel hätten, "mögen sie sich bei mir melden". Dazu bedürfe es "keiner aufwändigen Sondersitzungen in den Parlamentsferien".

Künast warf dem Minister im Gegenzug vor, er verharmlose die Gefahren, die von Brunsbüttel und anderen Atommeilern ausgingen. Sein "flapsiges Gesprächsangebot" beweise, dass er "den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen" habe. Es gehöre zu den Pflichten des Umweltausschusses, "sich mit den Gefahren dieser Risikotechnologie gerade nach Forsmark auseinander zu setzen".

Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Grünen, gab bekannt, dass seine Partei für den 5. September eine Sitzung des Bundestagsausschusses für Umwelt- Naturschutz und Reaktorsicherheit beantragt habe.

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