Projekt in der Uckermark

Forscher wollen Windenergie für Produktion von Wasserstoff nutzen

In der Uckermark soll der erste deutsche Windpark mit einer Anlage zur Produktion von Wasserstoff gekoppelt werden. Der Elektrolyseur werde bis zum Jahresende in Prenzlau gemeinsam mit der Fachhochschule Stralsund errichtet. Zudem sollen mehrere Pilotprojekte der Wasserstoff-Branche ausgebaut werden.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Stralsund/Prenzlau (ddp-nrd/sm) - Bei kräftigem Wind laufen Windkraftanlagen zu Höchstleistungen auf, doch oft besteht kein Bedarf für den plötzlich zusätzlich zur Verfügung stehenden Windstrom. Zudem sind die Netze vielfach zu schwach, um die Windspitzen auffangen zu können. Dieses Problem bereitete auch immer wieder der Enertrag AG Sorgen, die allein in der Uckermark etwa 70 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 120 Megawatt betreibt. Die schwachen Netze seien kaum noch in der Lage den überschüssigen Sturmstrom aufzunehmen, sagt Enertrag-Sprecher Stefan Wagner. "Ideal wäre es deshalb, wenn man den Energieschub speichern würde, um ihn in Zeiten einer höheren Nachfrage wieder abrufen zu können."

Eine solche Speicherstation will Enertrag nun zusammen mit Forschern der Fachhochschule Stralsund bauen. Nordöstlich von Prenzlau (Brandenburg) lässt der Konzern in diesem Jahr für mehrere Millionen Euro einen 500-Kilowatt-Elektrolyseur errichten, mit dessen Hilfe voraussichtlich ab 2008 überschüssiger Strom zur Produktion von Wasserstoff genutzt werden kann. Der als zukunftsträchtiger Energieträger geltende Wasserstoff soll in Tanks zwischengespeichert und bei Bedarf in einer Brennstoffzelle wieder zerlegt werden. Dabei entsteht Energie, die in die aus Lubmin kommende Hochspannungstrasse eingespeist wird.

Im Komplexlabor der Fachhochschule Stralsund testen Forscher bereits seit Jahren, wie so effektiv wie möglich der Strom aus Windkraft in Wasserstoff umgewandelt und später wieder abgerufen werden kann. Die Forschungseinrichtung hat inzwischen eine Studie erstellt, die auf den Aufbau eines ganzen Wasserstoffnetzes in Mecklenburg-Vorpommern zielt. In das Projekt "Wind-Wasserstoff-Land" sollen Mittel des Bundes und der Industrie fließen, die bis zum Jahre 2015 eine Milliarde Euro in die Markteinführung umweltfreundlicher Wasserstoffprojekte investieren wollen.

Weitere Projekte in Planung

Ähnlich wie in der Uckermark soll auch im Müritzkreis die Wind- mit der Wasserstofftechnologie gekoppelt werden. Bei Plauerhagen werde ein Windpark erweitert, doch die Netzanschlusskapazitäten dort reichten nicht mehr aus, um den zusätzlichen Strom aufnehmen zu können, sagt Luschtinetz. Deshalb werde dort die Errichtung einer Produktionsanlage für Wasserstoff geprüft, der möglicherweise als Methanersatz in eine nahe gelegene Erdgastrasse eingespeist werden könnte.

Darüber hinaus sollen mehrere Pilotprojekte der Wasserstoff-Branche ausgebaut werden. Am Kap Arkona auf Rügen zum Beispiel planen die Forscher, die komplette Infrastruktur auf die Energieversorgung durch Wasserstoff umzustellen. Ähnliches ist für die Insel Ruden vorgesehen. Auch in den Marinas an der Küste und an der Müritz sollen Wasserstoffstationen für die Notstromversorgung von Schiffen entstehen. Erste praktische Erfahrungen werden bereits in Barth gesammelt. Dort rollt schon seit einigen Jahren ein Bus, der mit Wasserstoff aus einer Solaranlage betankt wird.