Mehr Einsatz für Klimagipfel

Forscher warnen vor dramatischen Folgen des Klimawandels

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, fordert mehr politisches Engagement für ein verbindliches Klima-Abkommen in Kopenhagen. Klimaforscher warnen derweil vor den dramatischen und nicht beherrschbaren Folgen des Klimawandels. Die Wirtschaft müsste zum Erreichen der angestrebten Klimaziele allerdings Milliarden investieren.

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Berlin (ddp/red) - "Es ist ein Märchen, wenn der Öffentlichkeit eingeredet wird, dass die Zeit nicht mehr ausreicht", sagte Flasbarth am Freitag in Berlin. "Wir brauchen einen Rettungsschirm für das Weltklima dringender noch, als wir ihn gebraucht haben für unsere Banken und Automobilhäuser", mahnte der Experte.

Zuletzt waren die Hoffnungen deutlich geschwunden, dass die Staatengemeinschaft sich bei dem Gipfel vom 7. bis 18. Dezember in der dänischen Hauptstadt auf ein verbindliches Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll verständigen kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt nunmehr ein "politisches Bekenntnis" für ein solches Abkommen im kommenden Jahr an.

Nicht beherrschbares Risiko

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte vor dem "Großrisiko eines nicht mehr beherrschbaren Klimawandels". Werde die Erderwärmung nicht auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt, sei laut einer neuen Studie unter anderem das unumkehrbare Abschmelzen des grönländischen Eisschildes zu erwarten. "Das sind sieben Meter Meeresspiegelanstieg weltweit". Ohne deutliches Gegensteuern könne der Meeresspiegel langfristig um bis zu 60 Meter ansteigen. Der Experte plädierte für ein "Durchverhandeln bis zur Schmerzgrenze". Nach Schellnhubers Einschätzung könnte in Kopenhagen am Ende eine Runde der wichtigsten Staatschefs im "Hinterzimmer" den Durchbruch bringen.

Wirtschaft müsste Milliarden investieren

Die deutsche Wirtschaft steht unterdessen vor Milliardeninvestitionen. Wie eine Studie im Auftrag des "Manager Magazins" ergab, muss die Wirtschaft bis 2020 rund 310 Milliarden Euro in den Klimaschutz investieren - wenn die Bundesregierung am Ziel festhält, bis dahin den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent zu verringern. Die größten Aufwendungen stehen demnach in den Sektoren Gebäude, Verkehr und Energie an.

Nach Ansicht von Manfred Fischedick, Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, könnte Deutschland allerdings trotz der hohen Aufwendungen der "große Gewinner" beim Wandel hin zu einer klimaverträglichen Wirtschaft sein. Wenn es gelinge, sich gut auf den "Mega-Zukunftsmärkten" der erneuerbaren Energien und Umwelttechnik zu positionieren, könne Deutschland weltweit zur "Blaupause" werden.