Durchgerostet

Forscher: Sonnenstürme könnten Alaska-Pipeline beschädigt haben

Der überraschende Ausfall der Alaska-Pipeline des britischen Öl-Konzerns BP könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern in bedeutendem Maße auf das Wirken verheerender Sonnenstürme im Norden der Erdkugel zurückzuführen sein. Durch den Stopp der Erdölförderungen ist der Ölpreis in die Höhe geschnellt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Greifswald (ddp/sm) - Die auf die Erdoberfläche auftreffenden Plasmawolken führten nachweisbar zu einem Spannungsaufbau in den kilometerlangen Leitungen, sagte der Greifswalder Astrophysiker Frank Jansen in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.

An den Stahlummantelungen der Rohrleitungen herrschten dann stunden- oder tagelang elektrische Spannungen von bis zu zwölf Volt, sagte Jansen. Dies beschleunige die Korrosion enorm und könne im Verlauf von Jahren sogar zu kleinen Löchern in den Leitungen führen. Je nördlicher sich eine Pipeline befinde, desto intensiver sei sie den galaktischen Teilchenschauern ausgesetzt. Das hätten entsprechende Untersuchungen in Kanada, aber auch in Schweden und Finnland bewiesen. Auch die deutsche Ruhrgas-Pipeline in Hessen habe nachweisbar im Februar 1999 nach einem Sonnensturm unter erhöhter Spannung gestanden.

Vergangene Woche waren an der 1977 in Betrieb gegangenen Alaska-Erdölleitung Korrosionsschäden festgestellt worden. Den Untersuchungen zufolge ist inzwischen ein etwa 26 Kilometer langer Abschnitt im Norden durchgerostet, so dass die Erdölförderung eingestellt werden musste.

Jansen hatte sich kürzlich persönlich vor Ort über den Zustand der Alaska-Pipeline informiert. Der Forscher betreibt seit sechs Jahren in Greifswald eine Weltraumwetterwarte, in der auf der Basis von Satellitenmessungen Sonnenaktivitäten beobachtet werden. Ziel ist es, das Herannahen gefährlicher galaktischer Teilchenschauer vorauszusagen. In Greifswald soll zudem im Herbst das Weltraumwetter-Teleskop "Mustang" der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) installiert werden.

Galaktisch-kosmische Teilchenschauer können nachweislich zu Störungen in Kraftwerkstransformatoren, Eisenbahnsignalanlagen oder Computersystemen an Bord von Flugzeugen führen. Zudem können geomagnetisch induzierte Ströme Telekommunikation zu Satelliten sowie im Handyverkehr lahm legen. Entsprechende Erscheinungen im Weltraumwetter wurden inzwischen in drei verschiedene Warnstufen eingeteilt. Während die Stufe "Grün" auf eine normale Sonnenaktivität und kosmische Strahlung hinweist, informiert "Gelb" über erhöhte Aktivitäten. Mit der Stufe "Rot" warnen die Wissenschaftler vor der unmittelbaren Ankunft von Weltraumwetterereignissen auf der Erde.