Paradigmenwechsel

Forscher erfinden die erste Batterie zum Aufsprühen

US-amerikanische Forscher haben den ersten aufsprühbaren Lithium-Ionen-Akku entwickelt. Der wiederaufladbare Stromspeicher besteht aus fünf dünnen Schichten Spezialfarbe und kann auf jede beliebige Oberfläche aufgetragen werden, also zum Beispiel auch auf Badezimmerkacheln.

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London (dapd/red) - Der neue Akku habe alle Vorteile einer herkömmlichen Batterie: Er liefere stabil Strom, lasse sich mit anderen Geräten, beispielsweise einer Solarzelle, verbinden und sei ohne große Leistungseinbußen vielfach wiederaufladbar, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Scientific Reports". Zusätzlich aber eröffne der Sprüh-Akku völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Er lasse sich einfach in Alltagsobjekte von der Badezimmerkachel über flexible Kunststoffgegenstände bis hin zu Tassen oder anderen runden Behältern integrieren, sagen die Forscher. Die dafür nötige Technologie des Sprühbeschichtens werde in der Industrie bereits vielfach eingesetzt.

"Das bedeutet einen echten Paradigmenwechsel: Traditionelle Batterieformen werden nun abgelöst von flexibleren Ansätzen, die ganz neue Designs ermöglichen", sagt Studienleiter Pulickel Ajayan von der Rice University in Houston. Bisher seien Lithium-Ionen-Akkus nur auf rechteckige oder zylindrische Formen beschränkt. Jetzt habe man die traditionellen Komponenten so angepasst, dass sie in Flüssigkeit gelöst und dann schichtweise aufgesprüht werden können.

Bierkrug mit Akku in Schriftform verziert

Per Sprühbeschichtung erzeugten die Forscher unter anderem eine stromspeichernde Schrift auf einem Bierkrug. Durch eine Schablone aufgetragen bildete der Akku die Buchstaben "RICE" - den Namen der Universität. "Das zeigt, wie flexibel sich der Akku an die Oberflächenform anpasst und welche Formen er annehmen kann", sagen die Wissenschaftler. Die Sprühbatterie hielt zudem problemlos auf Glas, auf Metall, Keramik und Kunststoffoberflächen.

In einem weiteren Versuch beschichteten die Wissenschaftler neun herkömmliche Badezimmerkacheln mit dem Sprühakku und schlossen sie dann parallel zusammen. Eine Kachel luden sie mit Hilfe einer Solarzelle auf, die anderen über eine Stromleitung. Voll aufgeladen hätten die Batterien eine konstante Spannung von 2,4 Volt geliefert, berichten Ajayan und seine Kollegen. Damit habe man den LED-Schriftzug sechs Stunden lang leuchten lassen können. Die Akkus seien zudem auch nach mehr als 60-maligem Wiederaufladen stabil und hätten mehr als 90 Prozent ihrer Kapazität behalten.

Fünf Schichten wie bei normalen Akkus

Wie ein normaler Lithium-Ionen-Akku besteht auch die neue Batterie aus fünf Schichten: Zwei Schichten mit unterschiedlichen Lithiumverbindungen dienen als Elektroden, die eigentlichen Speicher der Ladung. Dazwischen befindet sich eine Trennschicht aus einem speziellen Polymer vermischt mit Siliziumdioxid. An der Ober- und Unterseite schließt jeweils eine Kollektorschicht den Stapel ab - sie sammelt die freigesetzte Spannung und leitet sie nach außen ab, beispielsweise in ein Gerät oder ein Kabel. Beim aufsprühbaren Akku besteht die untere Kollektorschicht aus Nanokarbonröhrchen gemischt mit weiteren Komponenten, wie die Forscher erklären. Den oberen Abschluss bilde ein kommerziell erhältlicher, elektrisch leitender Kupferlack.

Damit ein Akku entsteht, müssen die fünf Schichten nacheinander auf eine beliebige, auf 120 Grad Celsius erhitzte Oberfläche aufgesprüht werden, wie die Forscher berichten. Am Schluss wird der weniger als einen Millimeter dicke Schichtstapel mit einer Elektrolytlösung getränkt und mit einer dünnen Plastikfolie abgedichtet. Ajayan und seine Kollegen haben bereits ein Patent auf diese Erfindung angemeldet.