Energiewende

Förderung von Ökostrom soll neu justiert werden

Der rasche Ausbau von Ökostrom nach der geplanten Atomwende soll für die Verbraucher glimpflich ausgehen: Die Milliardensubventionen sollen nicht weiter steigen, obwohl bis 2020 doppelt so viel Strom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse kommen soll. Dies erklärte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Donnerstag.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Er setzt auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit teils sinkenden Vergütungen. Zudem plant Röttgen neue Marktanreize, um den teuren Ausbau von Speichern und Netzen zu begrenzen. Röttgen machte deutlich, dass es bei den bereits 2010 verkündeten Zielen für den Ausbau erneuerbaren Energien bleiben soll. Die nun von der Regierung erwogene Energiewende bedeute also einen "beschleunigten Ausstieg" aus der Atomkraft und die rasche Umsetzung der gesetzten Ziele. Demnach sollen 2020 mindestens 35 Prozent des deutschen Strombedarfs aus Ökostrom gedeckt werden - statt der heutigen 17 Prozent. Bis 2050 soll eine Marke von 80 Prozent erreicht werden.

"Es wird einen Charakterwechsel der erneuerbaren Energien geben", sagte Röttgen. Von einem Nischenprodukt würden sie zu einer "wesentlichen Energiequelle" in Deutschland. Trotzdem soll die EEG-Umlage - der Aufpreis auf den Strom, über den die Verbraucher die Ökostrom-Förderung bezahlen - von heute 3,5 Cent je Kilowattstunde nicht weiter steigen. Für das kommende Jahr rechnet das Umweltministerium sogar mit einer Senkung.

Weniger Geld für Windkraft an Land

Röttgen setzt dafür auf "Kosteneffizienz". So soll mit der Reform des EEG die Vergütung für Windkraftanlagen an Land schneller sinken als geplant, nämlich um zwei statt ein Prozent pro Jahr. Andererseits plant der Umweltminister einen "Repowering Bonus": große, leistungsfähige Anlagen sollen alte kleine Modelle ersetzen. Die Stromausbeute wächst damit.

Das Schwergewicht der Förderung für Ökostrom aus Windkraft legt Röttgen aber auf Windkraft auf hoher See. Hier soll die Anfangsvergütung von 13 auf 15 Cent je Kilowattstunde steigen und für einige Jahre konstant bleiben. Möglich ist auch eine Vergütung von 19 Cent, die dann aber kürzer läuft.

Für Strom aus Biomasse soll die Vergütung unter dem Strich um 15 Prozent fallen, wie es aus dem Umweltministerium hieß. Vor allem aber soll das Vergütungssystem vereinfacht und die diversen Boni abgeschafft werden. Die umstrittene Stromerzeugung aus Mais und Weizen soll begrenzt werden.

Bei der Photovoltaik will Röttgen nach der jüngsten Senkung der Vergütung nur geringfügig nachsteuern. Die Geothermie - Gewinnung von Strom aus Erdwärme - will er mit höheren Vergütungssätzen endlich auf die Spur bringen.

Marktprämie als neuer Hebel

Neu plant Röttgen einen Hebel, um den teuren Ausbau von Speichern und Stromnetzen zu begrenzen: die sogenannte Marktprämie. Sie soll Erzeuger dazu anreizen, nicht mehr über das EEG fixe Vergütungen einzustreichen, sondern ihren Ökostrom am Markt zu verkaufen. Der vom Umweltminister erwünschte Effekt: Die Erzeuger würden ihre Elektrizität verstärkt zu Zeiten hoher Nachfrage anbieten, wo hohe Preise zu erzielen sind. Das würde das Überangebot zu anderen Zeiten verringern und Netzprobleme mindern.

Der Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell kritisierte die geplante Marktprämie als wenig überzeugend. Sie sei zu kompliziert ausgestaltet. Insgesamt seien Röttgens Vorschläge zu defensiv. "Die meisten Punkte fanden sich bereits im Energiekonzept der Bundesregierung vom letzten Jahr", meinte Fell. "Die Bundesregierung tut beim Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin so, als hätte es Fukushima nie gegeben."

Der Bundesverband Windenergie beklagte die geplante Senkung von Vergütungen für Windkraft an Land. Diese mache das EEG zur Farce, meinte der Verband.