Neue Berechnungen

Förderkosten für Solarstrom könnten auf 77 Milliarden Euro steigen

Das Solarstrom-Magazin Photon hat neue Berechnungen zur Solarstromförderung angestellt. Demnach sind die im Rahmen einer RWI-Studie vorgestellten Zahlen deutlich zu niedrig angesetzt. Photon geht von einer künftigen Fördersumme von 77 Milliarden Euro aus.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin/Aachen (red) - Für alle bis zum Jahr 2010 in Deutschland gebauten Photovoltaikanlagen müssen die Verbraucher voraussichtlich 77 Milliarden Euro aufbringen, wenn die Einspeisevergütung nicht der Kostenentwicklung angepasst wird. Das berichtet das Solarstrom-Magazin Photon vorab aus seiner Mai-Ausgabe. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat hierzu ebenfalls Zahlen publiziert, die nach Photon-Berechnungen jedoch deutlich zu niedrig liegen.

Unterschiedliche Berechnungen

Die RWI-Studie geht von 14,3 Milliarden Euro bereits aufgelaufener Förderkosten für Solarstrom aus. So viel müssen die Stromverbraucher für alle zurzeit in Betrieb befindlichen Photovoltaikanlagen aufbringen - verteilt über deren 20-jährigen Vergütungszeitraum, also bis 2026. Bis 2010 erhöht sich diese, dann bis 2030 abzutragende Summe laut RWI auf 24,15 Milliarden Euro. Photon geht hingegen von bereits aufgelaufenen 28 und einer für 2010 zu erwartenden Summe von 77 Milliarden Euro aus - bei einem Solarstromanteil an der Gesamtversorgung von dann rund zwei Prozent.

Eine Solarstromanlage erhält gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 20 Jahre lang eine Einspeisevergütung von 49,21 Cent pro Kilowattstunde erzeugten Stroms. Multipliziert mit der produzierten Strommenge ergibt sich die kumulierte Vergütung, die von den Stromverbrauchern über eine Umlage finanziert wird. Um die tatsächlichen Mehrkosten abzuschätzen, müssen hiervon die während der Betriebszeit voraussichtlich steigenden Preise für konventionellen Strom sowie die vermiedenen Netznutzungsentgelte abgezogen werden.

Divergierende Annahmen zum Marktwachstum

Die Differenzen zwischen der Berechnungen von Photon und RWI entstehen vor allem durch die stark unterschiedlichen Annahmen zum Marktwachstum. Das RWI kalkuliert mit einem Zubau von 500 Megawatt (MW) für 2005 sowie 525 MW für 2006 und voraussichtlich 500 bis 600 MW in den Folgejahren. Bis 2020 ergeben sich hieraus kumulierte Mehrkosten von 63 Milliarden Euro.

Nach den Photon-Zahlen gingen 2005 jedoch rund 850 MW ans Netz, für 2006 rechnet das Solarstrom-Magazin mit etwa 1.150 MW und für die Folgejahre mit einem weiterhin wachsenden Markt. So ergibt sich die Prognose von 77 Milliarden Euro kumulierter Kosten für 2010. Hierbei ist schon berücksichtigt, dass nach bislang offiziell noch unbestätigten Informationen im Bundesumweltministerium (BMU) eine schrittweise Erhöhung der jährlichen Vergütungsdegression auf 7,5 Prozent erwogen wird. Eine Fortschreibung dieser Entwicklung würde im Jahr 2020 zu kumulierten Kosten von rund 250 Milliarden Euro führen.

Allerdings läge in diesem Szenario der Solarstromanteil bei rund 15 Prozent. Dieses Ziel sei aber nur bei einem sofortigen Anpassen der Vergütung an die erreichte Kostenreduktion der Solarindustrie erreichbar, so Photon-Herausgeber Philippe Welter: "Wollte man erst in einigen Jahren die Einspeisevergütung der tatsächlichen Kostenentwicklung anpassen, sind die aufgehäuften Umlagen so hoch, dass die Solarförderung nicht mehr bezahlbar ist."