Vorwürfe

"Focus": Trauernicht war über Störfall früh umfassend informiert

Laut einem "Focus"-Bericht sei Trauernicht besser über die AKW-Vorfälle in Krümmel informiert gewesen als bislang bekannt, die Ministerin weist die Vorwürfe jedoch zurück. Auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sieht sich Kritik ausgesetzt, die Grünen werfen ihm mangelndes Krisenmanagement vor.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

München/Kiel (ddp/ddp-nrd/sm) - Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) wehrt gegen Vorwürfe, sie sei nach dem Krümmel-Störfall detaillierter in Kenntnis gesetzt worden als bislang bekannt. Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete vorab, Vattenfall habe die Ministerin schon am selben Abend mit einem vierseitigen Fax über die Auswirkungen des Trafo-Brandes auf den Betrieb des Atommeilers Krümmel informiert. Demnach wusste die Ministerin bereits zu diesem Zeitpunkt, dass die Anlage massiv von dem Feuer betroffen gewesen sei.

Das Fax berichte von ausgefallenen Pumpen, unplanmäßig geöffneten Ventilen und einem abgesackten Kühlwasserpegel, so der "Focus" weiter. Auf einer Pressekonferenz am nächsten Tag habe Trauernicht aber nicht erwähnt, dass der Störfall ernster war als zunächst angenommen. Erst fünf Tage später habe sie von "Auffälligkeiten" im Zusammenhang mit dem Trafo-Brand berichtet.

Trauernicht betonte, sie habe stets umgehend über alle aktuellen und geprüften Erkenntnisse informiert. Zu einer verantwortungsbewussten Öffentlichkeitsarbeit gehöre auch, Bewertungen erst dann zu veröffentlichen, wenn Informationen durch die eigenen Experten überprüft wurden.

Grüne werfen Carstensen mangelndes Krisenmanagement vor

Auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) steht im Zusammenhang mit den AKW-Störfällen in Kritik. Die Grünen in Schleswig-Holstein werfen ihm mangelndes Krisenmanagement vor. "In der größten Krise seiner Regierung ist der Ministerpräsident abgetaucht und hat keinen Laut von sich gegeben", kritisierte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel am Samstag in Kiel. Wochenlang habe er zu den bedrohlichen Störfällen geschwiegen und sich nicht dafür eingesetzt, dass der Druck auf den Betreiber Vattenfall erhöht werde.

Erstmalig habe sich der Ministerpräsident zu Wort gemeldet, als er die Deutsche Umwelthilfe "beschimpfte", sie würde sich wie die Axt im Walde verhalten. Der Verein hatte eine zügige Abarbeitung der Mängelliste des Atomkraftwerks Brunsbüttel gefordert. Später habe er Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeworfen, dass er "wild um sich schlägt" und "politischen Krawall" initiiere. Carstensen habe mit seinem Verhalten in "erschreckender Deutlichkeit" dokumentiert, dass er in Krisensituationen nicht in der Lage sei, seiner Verantwortung als Ministerpräsident gerecht zu werden, betonte Hentschel.