Solarmarkt

First Solar schließt Werke in Frankfurt (Oder)

Das US-Unternehmen First Solar will zum Herbst seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) schließen. Damit werden rund 1.200 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer dramatischen Entscheidung und setzte eine Arbeitsgruppe ein, die sich um die Stabilisierung des Industriestandortes bemühen soll.

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Frankfurt (Oder) (dapd/red) - Das US-Unternehmen First Solar will zum Herbst seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) schließen. Damit fallen etwa 1.200 Arbeitsplätze weg, wie das Unternehmen am Dienstag ankündigte. Zur Begründung wurde unter anderem angeführt, dass die europäischen Staaten ihre Förderprogramme früher als ursprünglich geplant zurückführen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer dramatischen Entscheidung für das Land und die Stadt.

"Der europäische Solarmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Förderung größtenteils wirtschaftlich nicht überlebensfähig", sagte der Geschäftsführer der First Solar GmbH, Christopher Burghardt. Die Kürzungen hätten dramatische Auswirkungen auf die Nachfrage. Darunter leide insbesondere das Kerngeschäft, der Bau von Photovoltaik-Großanlagen. First Solar kündigte an, die Auswirkungen für die Mitarbeiter möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Die Landesregierung setzte eine Arbeitsgruppe ein, die sich um die Stabilisierung des Industriestandortes Frankfurt bemühen soll, wie Platzeck sagte. Darin werden die Ressortchefs für Wirtschaft, Wissenschaft, Finanzen und Arbeit zusammenarbeiten. Schon für Mittwoch kündigte er ein Gespräch mit First-Solar-Konzernchef Michael Ahearn an.

Brandenburg investierte 25 Millionen Euro Fördergelder in die Werke

"Mit der Schließung ist Frankfurt wieder da, wo es vor zehn Jahren war mit allen seinen Strukturproblemen", merkte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) an. Seit 2006 habe das Land 25 Millionen Euro an Fördergeld in First Solar gesteckt. Zugleich kritisierte er die Kürzung der Solarförderung. Damit habe die Bundesregierung einen "Flächenbrand" ausgelöst.

"Die jüngsten Pläne der Bundesregierung, die Förderung von Solarstromanlagen drastisch zu reduzieren, fordern erste Opfer", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Mehr als 1.000 Mitarbeiter müssten nun den "Preis für eine verfehlte Energiepolitik" zahlen. Der Verband fürchte einen Beschäftigungsabbau und eine Insolvenzwelle innerhalb der Branche.

Auch die Deutsche Umwelthilfe sieht zuallererst die Bundesregierung in der Verantwortung. Mit First Solar verlasse der zweitgrößte Photovoltaik-Hersteller der Welt "fluchtartig den Standort Deutschland", sagte Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) sprach von einem harten Schlag für die Mitarbeiter, die Stadt und das Land Brandenburg. Jetzt gehe es darum, schnell neue Perspektiven für die Mitarbeiter zu entwickeln. Die Gespräche dazu mit dem Unternehmen, der Arbeitsagentur und weiteren Partnern werde er persönlich führen.

Rückzahlung von Fördermitteln wird überprüft

Der Arbeitsmarktexperte der SPD-Landtagsfraktion, Detlef Baer, sagte, jetzt komme es darauf an, die qualifizierten Arbeitnehmer in der Region zu halten. Er sehe dabei auch First Solar in der sozialen Verantwortung. Der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion, Thomas Domres, forderte das Unternehmen auf, schnell einen Sozialplan für die Mitarbeiter aufzustellen. Gleichzeitig müsse das Land prüfen, inwieweit Fördermittel vom Konzern zurückgeholt werden können.

Die IG Metall forderte Alternativen zur Schließung der Werke. "Jetzt müssen schnell alle Beteiligten an einen Tisch, um eine wirksame Fortführungslösung zu erarbeiten", sagte Bezirksleiter Olivier Höbel. Die Senkung der Arbeitszeit mit Kurzarbeit habe in der vergangenen Wirtschaftskrise die Beschäftigung gesichert. Daran müsse angeknüpft werden.

Das auf die Herstellung von Dünnschicht-Modulen spezialisierte Unternehmen hatte 2007 in Frankfurt eine erste Fabrik in Betrieb genommen. Erst im Herbst 2011 wurde das zweite Werk offiziell eröffnet. Zum 1. März wurde die Produktion dann aber um 50 Prozent gedrosselt. Seither wird kurzgearbeitet.