Steigende Stromnachfrage

Finnland baut neues Atomkraftwerk

Zur Deckung des steigenden Strombedarfs wird Finnland ein fünftes Atomkraftwerk bauen. Das beschloss das Parlament heute in Helsinki. Während das Deutsche Atomforum das Abstimmungsergebnis als "verantwortungsvolle Lösung für drängende Energieprobleme" wertete, stufte es Robin Wood als "energiepolitische Rückkehr in die Steinzeit" ein.

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Das finnische Parlament hat heute den Bau eines fünften Kernkraftwerks genehmigt. Die Abgeordneten in Helsinki schlossen sich damit der Grundsatzentscheidung der Regierung vom Januar 2002 an.

Der neue finnische Reaktor wird ohne staatliche Beihilfen ausschließlich durch das Energieversorgungsunternehmen Teollisuuden Voima Oy (TVO) finanziert. Je nach Leistung der neuen Anlage beziffert das Unternehmen die dafür notwendigen Investitionskosten zwischen 1,7 und 2,5 Milliarden Euro. Nach Schätzungen des Verbandes der finnischen Energieindustrie (Finergy) wird die inländische Stromnachfrage bis 2015 auf 97 Milliarden Kilowattstunden steigen. Das entspricht einer Zunahme um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vergleichswert von 1999. In Verbindung mit der Schließung älterer Anlagen bedeutet dies für Finnland einen zusätzlichen Bedarf von 3800 Megawatt Erzeugungskapazität. Der neue Reaktor soll zur Deckung dieses Bedarfs beitragen, die Rohstoffabhängigkeit vom Ausland schmälern und gleichzeitig helfen, die Klimaschutzziele zu erfüllen.

Verantwortungsvolle Lösung

Das Deutsche Atomforum (DAtF) wertet das Abstimmungsergebnis als eine Entscheidung mit Weitblick. "Die Finnen haben unter Abwägung aller Argumente eine verantwortungsvolle Lösung für ihre drängenden Energieprobleme gefunden", kommentierte der Präsident des Deutschen Atomforums, Dr. Gert Maichel, die heutige Entscheidung. "Angesichts eines bald notwendigen Neubaus von Kraftwerken ist die Entscheidung Finnlands durchaus richtungsweisend für Europa", betonte er. Sie zeige, dass die Kernenergie als Option nicht von vorne herein ausgeklammert werden könne. Der Berichterstatter für Energiepolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Kurt-Dieter Grill, wertete die Entscheidung des finnischen Parlamentes als Anzeichen dafür, dass die friedliche Nutzung der "Kohlendioxid-freien" Kernenergie im Interesse des Klimaschutzes eine wichtige und derzeit unverzichtbare Technologieoption darstellt.

Energiepolitische Steinzeit

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood hingegen verurteilt den Neubau. "Mit der heutigen Entscheidung hat das finnische Parlament einer nachhaltigen, ökologischen und energieeffizienten Energiepolitik den Rücken gekehrt. Mit der Zustimmung, ein fünftes Atomkraftwerk zu bauen, hat sich das Land energiepolitisch zurück in die Steinzeit katapultiert", kommentierte Bettina Dannheim, Energiereferentin von Robin Wood. "Finnland geht den Weg des geringsten Widerstandes zu Lasten der gesundheitlichen Risiken der Bevölkerung und zu Lasten der Umwelt."