Widerspruch?

Financial Times: E.ON und RWE erweitern Kernkraftkapazität

Wie die FTD heute berichtet, investieren der E.ON- und der RWE-Konzern derzeit in ihre Kernkraftwerke, um deren Kapazitäten auszubauen. Ziel sei eine Leistungssteigerung, mit der man Stromerlöse jetzt erzielen, nicht aber mehr Strom erzeugen wolle, als im Rahmen des Atomkonsenses vereinbart.

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Trotz des geplanten Atomausstiegs erhöhen die Stromkonzerne E.ON und RWE einem Bericht der Financial Times zufolge ihre Kernkraftkapazitäten. Ziel, so die FTD, seien wachsende Erlöse. Die Rede ist von Investitionen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags.

Die Kraftwerkstöchter beider Unternehmen hätten der FTD den Ausbau respektive die Verbesserung der Kapazitäten bestätigt. An mehreren der 18 deutschen Kernkraftwerke soll die Leistung demzufolge um jeweils 20 bis 30 Megawatt gesteigert werden. Insgesamt steige die Kernkraftkapazität dadurch in den kommenden zwei Jahren um 250 bis 300 Megawatt.

Die Elektrizitätserzeuger sehen in dieser Maßnahme eine "Optimierung", die nicht mit der Vereinbarung zum Kernkraftausstieg kollidiere, wie eine E.ON-Sprecherin der Financial Times mitteilte. Sofern es bei der Vereinbarung zwischen Bund und Stromkonzernen bleibt, wird die Betriebszeit der noch 18 aktiven Kernkraftwerke wegen der nunmehr erhöhten Leistung etwas kürzer ausfallen.

Gemäß dem Atomkonsens, den Bundesregierung und Energieversorger im Juni 2001 beschlossen hatten, dürfen in der Bundesrepublik noch 2623,3 Milliarden Kilowattstunden Kernkraftstrom erzeugt werden - das entspricht rein theoretisch einer verbleibenden Ausstiegsdauer von 32 Jahren. Mit der erhöhten Leistung soll auch die Stilllegung des 1972 gebauten Kraftwerks Stade ausgeglichen werden, welches E.ON im November letzten Jahres vom Netz genommen hatte.

Man wolle nicht mehr Strom erzeugen als im Rahmen des Atomkonsenses vereinbart, zitiert die FTD einen RWE-Sprecher, doch wolle man die Stromerlöse jetzt erzielen. Andere Beobachter indes zweifeln am aktuellen Geschehen. Der Ausstiegsbeschluss, so ein Experte vom Essener Forschungsinstitut RWI gegenüber der FTD, werde wohl "nicht mehr ganz ernst genommen".

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