Störfall

Feuer auf Gelände des AKW Krümmel

Auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht ist am Donnerstag ein Umspannungswerk durch ein Feuer zerstört worden. Radioaktive Strahlung sei nicht freigesetzt worden, teilte das zuständige Ministerium mit.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Geesthacht (ddp/sm) - Nach Angaben des Betreibers Vattenfall war der Brand aus bisher unbekanntem Grund am Nachmittag im Transformator außerhalb des Reaktorgebäudes auf dem Hof des Kraftwerks ausgebrochen. Anschließend sei der Reaktor sicherheitshalber heruntergefahren worden.

Bei dem Brand sei niemand verletzt worden, sagte der Sprecher des Kieler Sozialministeriums Oliver Breuer. Es sei dabei keinerlei radioaktives Material freigesetzt worden. Die für Reaktorsicherheit zuständige Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) erklärte, Sachverständige untersuchten bereits die Ursachen des Zwischenfalls.

Nach Ministeriumsangaben war das Feuer um 15.02 Uhr ausgebrochen. Ein Feuerwehrsprecher betonte, der Brand sei am späten Nachmittag gelöscht gewesen. Insgesamt rund 80 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen. Eine Gefahr für den Reaktor hatte seinen Angaben zufolge nicht bestanden.

Kritik kam dagegen von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Es ist auffällig, dass immer wieder Reaktoren der Betreiber Vattenfall und E.ON pannenanfällig sind", sagte Greenpeace-Experte Thomas Breuer auf ddp-Anfrage. "Ebenso wie die Pannen im schwedischen Forsmark und Ringhals 2006 sowie in Brunsbüttel ist auch in Krümmel ein Reaktor dieser Betreiber betroffen." Breuer sagte: "Es steht ein Fragezeichen über der Sicherheitskultur dieser Betreiber. Krümmels Pannenquote wird nur von Biblis übertroffen." Die Aussagen zur geringen Gefährlichkeit eines Transformatorbrandes seien zudem nicht richtig. "Über die Kabeltrassen kann sich der Brand sehr wohl dem Reaktor nähern."

Bereits gut anderthalb Stunden zuvor war das Kernkraftwerk Brunsbüttel wegen einer Netzstörung heruntergefahren worden. "Das war ein Zufall", sagte Ministeriumssprecher Breuer. Mit dem Brand in Krümmel habe die Abschaltung in Brunsbüttel nichts zu tun gehabt. Beide Kernkraftwerke sind nach Betreiber-Angaben "in einem sicheren Zustand".

Unmittelbar nach Abschaltung des Reaktors in Krümmel fielen in Hamburg 750 Ampeln aus. Erst nach rund 15 Minuten seien die Lichtzeichen wieder mit Strom versorgt worden, sagte ein Polizeisprecher. Chaos habe auf den Straßen der Hansestadt aber deshalb nicht geherrscht. Auch die Hamburger Hochbahn meldete Behinderungen im Bahnverkehr durch die Stromausfälle. Nach Bahn-Angaben blieben mehrere Züge in der Hansestadt kurzzeitig stehen, Stellwerke fielen aus.

Der Siedewasserreaktor in Krümmel ist seit 1983 in Betrieb und produzierte nach Betreiberangaben im vergangenen Jahr 10,6 Milliarden Kilowattstunden Strom.