Preisspirale

Feiertagszusammenfassung: Strom und Gas werden teurer

Für knapp 16 Millionen Haushalte wird Strom verschiedenen Zeitungsberichten zufolge ab Januar deutlich teurer. Laut "Bild"-Zeitung müssen Vier-Personen-Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden im bundesweiten Schnitt 61 Euro oder 7,5 Prozent mehr bezahlen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Am härtesten treffe es im neuen Jahr die Stromkunden in Bayern, heißt es weiter. Ein Vier-Personen-Haushalt zahle dort 2008 im Durchschnitt 75 Euro mehr für Strom. Deutlich teurer werde es auch für Verbraucher in Hessen. Dort steige die jährliche Stromrechnung im Schnitt um 72 Euro. Am besten kämen dagegen Kunden in Berlin, Bremen und Hamburg weg. Hier blieben die Grundversorgungstarife zum Jahreswechsel konstant.

Beim Anstieg der Strom- und Gaspreise ist nach Expertenansicht kein Ende absehbar. Das Bremer Energieinstitut rechnet auch für 2008 mit weiter steigenden Strom- und Gaspreisen. Der Chef des Bremer Energieinstituts, Gerd Brunekreeft, sagte dem Radiosender NDR Info, der Preisanstieg werde voraussichtlich nicht mehr ganz so hoch ausfallen wie 2007. "Es gibt Anzeichen, dass vor allem in China das Wirtschaftswachstum nicht mehr ganz so weiter steigt, und das dürfte eigentlich heißen, dass die Preissteigerung von Rohstoffen und Öl nicht mehr so stark sein sollte". Brunekreeft rief die Verbraucher dazu auf, ihre Strom- und Gasanbieter zu wechseln. Verbraucher könnten durch einen Wechsel "erheblich Geld sparen".

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) riet den Verbrauchern zum Jahreswechsel, sich im Zweifel einen neuen Anbieter zu suchen. "Eine fortlaufend steigende Stromrechnung muss niemand hinnehmen", sagte Gabriel am Wochenende der "Berliner Zeitung". Die Begründung der Energieversorger für die Preiserhöhungen ließ er nicht gelten. "Die Ausreden der Stromkonzerne überzeugen mich nicht", sagte er. Dafür genüge ein Blick "auf die steigenden Renditen und die ungebrochene Marktmacht der großen Stromversorger".

Das Bundeskartellamt will ab Anfang 2008 einen "möglichen Preishöhenmissbrauch" durch Strom- und Gasversorger untersuchen, kündigte Behördensprecherin Silke Christina Kaul in der Zeitschrift "Euro am Sonntag" an. Mit schnellen Ergebnissen sei bei der Prüfung nicht zu rechnen. Die Arbeit könne bis zu einem Jahr dauern. Gegen Stadtwerke könnten auch die Landeskartellämter tätig werden. Versorgern mit überteuerten Preisen drohen laut dem Bericht Geldbußen in Höhe von bis zu zehn Prozent des Umsatzes. Rechtsgrundlage der geplanten Untersuchungen sei das am 22. Dezember geänderte Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Demnach müssten Unternehmen den Grund für die Erhöhungen nachweisen.

Die großen Stromkonzerne befürchten unterdessen drastische Einbußen bei ihren Einnahmen aus dem Betrieb der Stromnetze. Wie Sprecher mehrerer Unternehmen der "Berliner Zeitung" bestätigten, will die Regulierungsbehörde offenkundig die bei den Gebührenanträgen angesetzten Milliardenwerte für das in den Stromnetzen gebundene Kapital um 20 bis 25 Prozent kürzen. Entsprechend niedriger falle dann die Kapitalverzinsung aus, die bislang einen großen Teil der Netzgebühren ausmache. Mit den Genehmigungsbescheiden der Regulierungsbehörde sei bereits in den nächsten Tagen zu rechnen.

Trotz der deutlich sinkenden Netzgebühren, die bislang gut ein Drittel des Endverbraucher-Strompreises ausmachen, planten die Konzerne keine Senkung ihrer mit Wirkung zum Jahreswechsel in weiten Teilen des Bundesgebiets erhöhten Stromtarife, schreibt das Blatt weiter. Während der E.ON-Konzern prüfe, die Kunden 2008 über eine einmalige Gutschrift auf ihren Stromverbrauch an der Gebührensenkung teilhaben zu lassen, biete RWE seinen Kunden lediglich einen neuen Langfristtarif mit einem dreijährigen Ausschluss von Preiserhöhungen an. Die Möglichkeit, sinkende Netzgebühren über niedrigere Stromtarife an den Kunden weiterzureichen, sei darin bislang nicht vorgesehen.