Debatte

FDP: Atomausstieg trifft vor allem sozial Schwache

Die FDP in Gestalt ihres Generalsekretärs Christian Lindner hat Umweltminister Röttgen vorgeworfen, er nutze in der Atomfrage "diffuse Ängste" in der Bevölkerung aus. Lindner warnte, ein "zu schneller" Akw-Ausstieg würde zu deutlich höheren Strompreisen führen und mithin vor allem sozial Schwache treffen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Osnabrück (afp/red) - Die FDP hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Streit um die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke davor gewarnt, allein auf Stimmungen in der Bevölkerung zu setzen. "Er sollte diffuse Ängste nicht nutzen, um notwendige Vorhaben der Koalition zu relativieren", sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. Stattdessen sollten die Menschen informiert werden, dass die Atomenergie nur deshalb verlängert werde, damit die Wende zu erneuerbaren Energien geschafft werden könne.

Lindner sagte weiter, ein zu schneller Ausstieg könne die Strompreise verteuern. "Nach Studien müsste ein Durchschnittshaushalt mit bis zu 150 Euro höheren Stromkosten im Jahr rechnen." Ein übereilter Ausstieg aus der Kernkraft würde also sozial Schwache treffen.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage lehnen mehr als drei Viertel der Deutschen eine Laufzeitverlängerung um mehr als zehn Jahre ab. Knapp die Hälfte möchte die Atomlaufzeiten überhaupt nicht weiter ausdehnen. Strompreise als Argument wurden nicht abgefragt. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will bis Ende September über die Laufzeitverlängerung entscheiden.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sah seine Forderung nach einer lediglich moderaten Verlängerung durch eine Umfrage gestärkt. "Eine große Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich eine Laufzeitverlängerung nur so lange es energiepolitisch nötig ist, nicht darüber hinaus", sagte Röttgen am Donnerstag dem Portal "Zeit Online".

"Die Umfrage ist eine deutliche Bestätigung für den Kurs eines konsequenten Umstiegs auf erneuerbare Energie", sagte Röttgen. Der Umweltminister macht sich für eine moderate Verlängerung nur um wenige zusätzliche Jahre stark.