Sicherheit im Notkühlsystem

Expertin bemängelt TÜV-Gutachten zu AKW Biblis

Die Werkstoff-Expertin Ilse Tweer hält die Sicherheit im Notkühlsystem des Reaktors B im hessischen Atomkraftwerk Biblis für nicht nachgewiesen. Die auf AKW spezialisierte Gutachterin untersuchte Unterlagen des TÜV Nord und Süd und stellte drei erhebliche Sicherheitsmängel fest.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Biblis/Berlin (ddp-hes/red) - "Wenn sich solche Defizite überlagern, fördert das nicht gerade die Sicherheit", sagte Tweer der Nachrichtenagentur ddp. Sie untersuchte die Unterlagen im Auftrag der atomkraftkritischen Ärzteorganisation IPPNW.

Tweer hält "die festgelegten geringen Rohrwanddicken" im Notkühlsystem des Reaktorblocks für fragwürdig. Der Werkstoff des Sicherheitssystems weise "vielfach nicht die erforderlichen Eigenschaften" auf. Zudem fehlten an rund 330 Bauteilen sogenannte Stempelfelder. "Daher weiß man nicht zweifelsfrei, aus welchem Material sie sind", sagte Tweer. "Damit fehlt der Nachweis für die erforderliche Werkstoffqualität."

IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz begründete den Auftrag an die anerkannte AKW-Gutachterin mit dem Vorhaben der künftigen Bundesregierung, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern, einem aktuellen Gutachten des Freiburger Öko-Instituts zu Biblis und der laufenden Klage der IPPNW auf Stilllegung von Biblis B. "Wie viele Beweise für die Mangelhaftigkeit des Reaktors müssen wir noch anführen", fragte er in Richtung der Aufsichtsbehörde im hessischen Umweltministerium. Immerhin habe das Wiesbadener Ministerium eine Korrektur der Betriebsgenehmigung für Biblis bis Jahresende angekündigt. "Das betrachten wir als Teilerfolg", sagte Paulitz zu ddp.