Für Vertrauen werben

Expertenkommission nimmt im AKW Krümmel Arbeit auf

Mit einer neu gegründeten Expertenkommission will Atomkraftwerks-Betreiber Vattenfall Europe verloren gegangenes Vertrauen in die Kernenergie zurückgewinnen. Im AKW Krümmel nahm die Gruppe heute ihre Arbeit auf. Umweltverbände kritisierten dies als "PR-Aktion".

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht (ddp/sm) - Mit ersten Ergebnissen der Kommission wird jedoch nicht vor Mitte August gerechnet. Nach Angaben von Vattenfall-Geschäftsführer Reinhard Hassa steht der Termin für das Wiederanfahren des abgeschalteten Meilers noch nicht fest. Damit sei "nicht innerhalb der nächsten wenigen Wochen" zu rechnen. Hassa bezifferte den täglichen Produktionsausfall in den beiden abgeschalteten AKW Krümmel und Brunsbüttel auf insgesamt eine Million Euro. Der Image-Verlust bei den Kunden sei jedoch nicht bezifferbar.

Laut Hassa werden aktuell in Krümmel 25 Millionen Euro für Sondermaßnahmen und die Revision verbaut. Allein für Sofortmaßnahmen wie Reparaturen nach dem Brand in einem Trafogebäude seien rund fünf Millionen Euro veranschlagt. Der Expertenkommission wurde außerdem ein Etat von fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ob es bei dieser Summe bleiben werde, hänge von den Ergebnissen ab, da die Analysen des Zwischenfalls noch nicht abgeschlossen seien. Derzeit wird ein Ersatz-Trafo für das ausgebrannte Aggregat eingebaut.

Nach Angaben von Banek hat sich am Donnerstag in Hannover erstmals eine gemeinsame Arbeitsgruppe Kommunikation aller deutschen AKW-Betreiber getroffen. Sie berate das Problem der so genannten Warten-Kommunikation, sagte Banek. Hintergrund sei das Missverständnis in der Steuerwarte des AKW Krümmel beim Brand am 28. Juni. Während des Störfalls hatte der Reaktorfahrer den Reaktordruck ohne nochmalige Rücksprache mit dem Schichtleiter schneller als nötig abgesenkt. Vor diesem Problem stünden alle AKW-Betreiber, da die entsprechenden Handlungsvorgaben bislang nicht eindeutig im Betriebshandbuch festgeschrieben seien.

Kritik von Umweltverbänden

Greenpeace-Energieexperte Heinz Smital bezeichnete die Einladung von 40 Medienvertretern in das AKW Krümmel als "reine PR-Aktion". Die Expertenkommission sei "sehr problematisch". Der Betreiber versuche offenbar, "die Aufsichtsbehörde unter Druck zu setzen, in dem man sich eine Kommission kauft, die wohl ein vorgegebenes Ergebnis erbringen soll". Das seien "Leute, die ihr ganzes Leben in gewisser Weise der Atomtechnologie gewidmet haben. Die werden kaum zu einem anderen Schluss kommen, als das das hier eine tolle Sache ist", sagte Smital.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die Einsetzung der Kommission als "irrelevant". In der Gruppe säßen mit einem langjährigen Präsidiumsmitglied des Deutschen Atomforums und dem Präsidenten von Swissnuclear, Peter Hirt, "zwei ausgewiesene Atomkraft-Befürworter und -Lobbyisten", sagte BUND-Atomexpertin Renate Backhaus.

Das AKW Krümmel war am 28. Juni ebenso wie das AKW Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. In Krümmel hatte nach einem Kurzschluss ein Transformator gebrannt. Brunsbüttel war am vergangenen Samstag werden fehlerhafter Halterungen für Rohrleitungen des Not- und Nachkühlsystems komplett abgeschaltet worden.