39-Punkte-Katalog vorgelegt

Expertenkommission für Weiterbetrieb von Brunsbüttel und Krümmel (Upd.)

Die nach Störfällen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel eingesetzte Expertenkommission hat keine Einwände gegen einen Weiterbetrieb der beiden Meiler. Nach Angaben von Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa gehen die beiden Kraftwerke aber dieses Jahr nicht mehr ans Netz.

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Hamburg (ddp-nrd/sm) - In ihrem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht kommt die Kommission zu dem Schluss, dass "die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für einen sicheren Weiterbetrieb der Kraftwerke gegeben sind". Die Experten empfahlen aber Maßnahmen zur Verbesserung des Sicherheitsmanagements.

Die derzeit abgeschalteten AKW entsprächen "in ihrer Konzeption und ihrer sicherheitstechnischen Ausstattung dem modernen Stand jüngerer Kraftwerke", sagte der Kommissionsleiter und frühere Vorsitzende der Reaktorsicherheitskommission, Adolf Birkhofer. Bei den Ereignissen am 28. Juni hätten alle angeforderten Sicherheitseinrichtungen beider Anlagen ordnungsgemäß funktioniert. Die Störungen als Auslöser für die Abschaltungen - ein Kurzschluss in Brunsbüttel und ein Trafobrand in Krümmel - resultierten aus Schäden außerhalb des Reaktorgebäudes. Zu keinem Zeitpunkt seien radioaktive Stoffe freigesetzt und das Personal oder die Umgebung gefährdet gewesen, betonte Birkhofer.

39-Punkte-Katalog für Maßnahmen vorgelegt

Allerdings sei es zu technischen und Kommunikationsproblemen gekommen. Diese könnten durch Änderungen in Technik, Organisation, Management und Schulung künftig vermieden werden. Die Änderungen seien Bestandteil des von Betreiber Vattenfall Anfang September vorgelegten Maßnahmenpakets aus 39 Punkten. Nach zügiger Umsetzung seien die Voraussetzungen für eine schnelle Wiederinbetriebnahme der beiden Kraftwerke gegeben.

Die Einführung einer Blackbox zur Aufzeichnung von Abläufen ähnlich wie in Flugzeugen lehnte Birkhofer ab. Dies würde seiner Ansicht nach "eher zu Schwierigkeiten führen" und "die Kommunikation nur schwächen". Eine Blackbox stelle keine sicherheitstechnische Verbesserung dar und sei international auch nicht üblich.

Hassa kündigte an, sämtliche Empfehlungen der Kommission umzusetzen. Er räumte ein, dass die Ereignisse in den beiden Kraftwerken dem Ansehen der Kernenergie in Deutschland geschadet hätten. Dies sei vor allem der Art der Diskussion in der Öffentlichkeit geschuldet.

Umweltverbände halten Meiler für nicht sicher

Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den Kommissionsbericht als verantwortungslos. Beide Meiler entsprächen nicht dem Stand der Technik und dürften nicht wieder ans Netz gehen. Robin Wood bemängelte die Zusammensetzung der Kommission aus "altgedienten Vertretern der Atomwirtschaft und ihrer Lobby-Verbände".

Krümmel und Brunsbüttel waren nach Reaktorschnellabschaltungen am 28. Juni vom Netz genommen worden. Für die Kommission zur Untersuchung der Vorfälle hatte Vattenfall ein Sonderbudget von fünf Millionen Euro bereitgestellt. Die abgeschalteten Meiler verursachen laut Hassa einen täglichen Produktionsausfall von bis zu einer Million Euro. Bei bis zu 200 Millionen Euro Einnahmeverlusten bis Jahresende werde Vattenfall das Unternehmensziel 2007 nicht erreichen. Die Verluste würden jedoch nicht auf die Strompreise umgeschlagen, da Vattenfall seinen Strom an den Großhandel und nicht direkt an die Kunden verkaufe.