Es gibt noch viel zu tun

Expertenanhörung zum Energiesparen: Zu wenig genutzt

Energiesparen ist trotz steigender Kosten für Strom und Heizung für viele Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen immer noch kein Thema. Zu dieser Einschätzung kamen Fachleute bei einer Anhörung zu den Folgen steigender Energiepreise im Düsseldorfer Landtag.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Jeder Haushalt könnte pro Jahr durchschnittlich 500 Euro sparen, wenn energiesparende Geräte zum Einsatz kämen und bei den Gebäuden alle möglichen Einsparpotenziale ausgeschöpft würden, rechnete der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Klaus Müller, vor. Nach Berechnungen des Deutschen Mieterbundes (DMB) legten die Heizkosten der Haushalte 2005 zum Vorjahr um rund ein Viertel bei Ölheizungen und um 12 bis 18 Prozent bei Gasheizungen zu. Vor allem als Folge der steigenden Energiekosten seien die Nebenkosten als "zweite Miete" inzwischen auf ein Drittel der gesamten Wohnkosten gestiegen.

DMB und Verbraucherschützer drängen daher auf eine zügige Einführung eines Energieausweises für Gebäude. Denn beim Sparen von Heizkosten haben die Verbraucher nur einen Teil der Möglichkeiten in der Hand, da auch der Zustand des Gebäudes eine wichtige Rolle spielt, wie die Sachverständigen betonten. Der Energieausweis soll daher auch dem Mieter Aufschluss darüber geben, welche Energiemengen und -kosten auf ein Haus oder eine Wohnung entfallen.

Müller sprach sich vor diesem Hintergrund für einen Metminderungsanspruch gegenüber Vermietern aus, die bei Neubauten de bestehenden gesetzlichen Vorgaben zum Energieverbrauch nicht einhielten. "Gebäude, die nur wenig geheizt werden müssen, sind dauerhaft der beste Verbraucherschutz gegen eine Explosion der Energiekosten bei weiter steigenden Preisen", merkte er an. Der DMB rügte, dass in Deutschland die Rechtsgrundlagen für den Energieausweis trotz EU-Vorgaben noch nicht geschaffen seien.

Nach Berechnungen der Energieagentur NRW lassen sich in jedem Unternehmen und in kommunalen Liegenschaften je nach Größe zwischen zehn und 30 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Dass es nicht dazu kommt, liege in erster Linie an "eklatanten Kenntnismängeln" über die Einsparmöglichkeiten, berichtete der Leiter der Agentur, Norbert Hüttenhölscher. Das Interesse an Beratungen angesichts der steigenden Energiekosten nehme aber stetig zu.

Nach Beobachtung der Mineralölwirtschaft hält sich auch der Energiesparwille der Autofahrer in Grenzen. "Es gibt derzeit keinen Trend zu Fahrzeugen mit niedrigem Verbrauch", sagte Kurt Döhmel von der Deutschen Shell in der Anhörung. PS-starke Wagen seien bei den Verbrauchern immer noch sehr beliebt, während das sparsame Dreiliter-Auto sich bisher nicht habe durchsetzen können.

In Rheinland-Pfalz ist jetzt eine Broschüre mit dem Titel "Effiziente Energienutzung in kleinen und mittelständischen Unternehmen in Rheinland-Pfalz" erschienen. Sie entstand aus einer Beratungsaktion der "Transferstelle für Rationelle und Regenerative Energienutzung Bingen (TSB)" im Auftrag des Umweltministeriums in Zusammenarbeit mit der Gewerbeaufsicht. Auf Basis von Betriebsbesuchen, Datenerhebungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen wurden zahlreiche rentable Energieeinsparmaßnahmen identifiziert und häufig auch realisiert..

Die Broschüre wird im Internet zum Herunterladen angeboten oder auf Anforderung beim rheilnad-pfälzischen Umweltministerium zugesandt.

Von Frank Bretschneider

Weiterführende Links