Fehlinvestitionen

Experten warnen vor verfrühtem Einstieg in die Wasserstoff-Energiewirtschaft

Stromerzeugung aus Wasserstoff wird als die zukunftsträchtigste Form der Energieerzeugung gehandelt. Aber: Steigt der Bedarf an Wasserstoff, so muss dieser, will man ihn klimaverträglich produzieren, mit Hilfe von Strom erst aus Wasser gewonnen werden. Das halten Experten in "bild der wissenschaft" für reine Wertvernichtung.

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Stuttgart (red) - Energie- und Umweltexperten warnen in dem Wissenschaftsmagazin "bild der wissenschaft" vor einer Fehlinvestition in Wasserstofftechnik. Grund: Nach Plänen von EU- Kommissionspräsident Romano Prodi soll der Umstieg in das Wasserstoffzeitalter verwirklicht sein, daher wird die Brennstoffzellen- und Wasserstoffforschung mit 600 Millionen Euro unterstützt. Aber: Steigt der Bedarf an Wasserstoff, so muss dieser, will man ihn klimaverträglich produzieren, mit Hilfe von Strom erst aus Wasser gewonnen werden.

Dr. Gerd Eisenbeiß, Vorstandsmitglied des Forschungszentrum Jülich hält das für unsinnig: "Mit Strom Wasserstoff zu erzeugen und aus ihm, etwa in Brennstoffzellen, wieder Strom zu machen, ist reine Wertvernichtung", sagt er in "bild der wissenschaft". Auch die Idee von Dr. Johannes Töpler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV) in Hamburg, künftig Öko-Strom zur Gewinnung von Wasserstoff einzusetzen, stößt auf Unverständnis: "Der Gedanke tut mir regelrecht weh", sagt Prof. Jürgen Garche, Mitglied des Vorstandes am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Denn bisher würde weltweit noch viel zu wenig Öko-Strom produziert, um ihn für die geplante Wasserstoff-Produktion nutzen zu können.

Und auch die Energiebilanz der Brennstoffzelle sehe noch nicht gut aus. Garche schätzt den Energieverlust vom Öko-Strom über die Wasserstoffherstellung aus Wasser, die Wasserstoffspeicherung, bis hin zur Verstromung des Wasserstoffs in einer Brennstoffzelle auf fast 65 Prozent und resümiert: "Dann doch lieber die regenerative Elektroenergie gleich ins Stromnetz einspeisen, zumindest für eine Übergangszeit bis 2030 oder 2050."