Konsequenzen

Experten warnen vor Steuer auf Biokraftstoffe

Teilnehmer der 8. Eurosolar-Konferenz haben am Montag in Bonn vor einem vorzeitigen Ende der Steuerbefreiung für Biokraftstoffe gewarnt. "Energiesicherheit und Umweltfreundlichkeit sind die entscheidenden Zukunftskriterien in der Energieversorgung", sagte Eurosolar-Chef Hermann Scheer.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp-nrw/sm) - "Bioenergie ist der Hebel zur Energieautonomie mit erneuerbaren Energien", führte Eurosolar-Präsident Hermann Scheer aus. Damit sei nicht nur eine klimafreundliche und unerschöpfliche Energieversorgung möglich: "Darüber hinaus gibt der notwendige Strukturwandel zur dezentralen Nutzung der Bioenergie dem ländlichen Raum weltweit endlich eine soziale und ökonomische Perspektive."

Der Leiter der Energieagentur NRW, Norbert Hüttenhölscher, verwies auf die mittelständische Wirtschaft in NRW, die in der internationalen Biomasse-Branche sehr gut platziert sei. Die deutschen Biogas-Unternehmen seien weltweit führend, darunter seien etliche Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Die von der Bundesregierung geplante Aufhebung der 2004 eingeführten Steuerbefreiung für Biokraftstoffe kann nach Angaben von Tagungsteilnehmern weitreichende Konsequenzen haben. Nachdem der Absatz sich innerhalb eines Jahres von 1,1 Millionen Tonnen auf etwa zwei Millionen Tonnen in 2005 verdoppeln konnte und der Anteil am Endenergieverbrauch auf 3,4 Prozent gestiegen ist, würde ein Wegfall der ursprünglich bis 2009 geplanten Steuerbefreiung insbesondere kleinere Anbieter gefährden.

Seitens der Biokraftstoff-Produzenten wären durch Planungsunsicherheiten Investitionen von rund einer Milliarde Euro blockiert. Nicht zuletzt wäre die Zukunft von etwa 50 000 bestehenden Arbeitsplätzen in Frage gestellt, hieß es. Sollte stattdessen ein Beimischungszwang für Biokraftstoffe eingeführt werden, könnten Landwirte zu bloßen Zulieferern der Mineralölkonzerne werden, wodurch Wettbewerb und regionale Wertschöpfung gefährdet würden.