Studie der TA-Akademie

Experten: Strompreise werden deutlich klettern

Zehn namhafte Wissenschaftler der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg haben in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass der Strompreis in Deutschland in den kommenden Jahren steigen wird. Im Rahmen der Studie haben die beteiligten Wissenschaftler vier Zukunftsszenarien entworfen, wie sich der Strommarkt bis zum Jahr 2010 entwickeln wird.

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Der Strompreis in Deutschland wird bis zum Jahr 2010 um mindestens zehn Prozent steigen. Gleichzeitig soll sich der Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2010 im Strombereich um mindestens zehn Prozent gegenüber den Werten von 2000 vermindern. Zu diesen Feststellungen kommt eine aktuelle Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie), an der zehn namhafte Wissenschaftler aus dem Energiebereich mitgewirkt haben. In dieser werden die Auswirkungen der Liberalisierung des deutschen Strommarktes bis zum Jahr 2010 untersucht.

Staatliche Regulierungen weiterhin erforderlich

Einig waren sich die Experten in der Annahme, dass in den kommenden Jahren auf jeden Fall weitere Anstrengungen im Klimaschutz unternommen werden. "Um die energiepolitischen Ziele hinsichtlich Klimaschutz und Umweltverträglichkeit durchzusetzen, sind im liberalisierten Markt weiterhin staatliche Regulierungen erforderlich", so Georg Förster wissenschaftlicher Mitarbeiter der TA-Akademie und Autor der Studie. "Die Preise werden sich dadurch in jedem Fall weiter erhöhen, unabhängig davon, ob der Klimaschutz im nationalen Alleingang oder durch Maßnahmen auf europäischer Ebene realisiert wird."

Im Rahmen der Studie haben die beteiligten Wissenschaftler insgesamt vier Zukunftsszenarien entworfen, wie sich der Strommarkt bis zum Jahr 2010 auf der Basis der derzeitigen Energiepolitik zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung entwickeln wird. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der staatlichen Eingriffstiefe, der Stromversor-gung (Preise, Emissionen, Kraftwerkspark) und dem Verbraucherverhalten.

Szenario 1

"Europäische Harmonisierung und geringes ökologisches Marktagieren auf der Verbraucherseite" geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2010 eine EU-weite Gesetzgebung zur Förderung der Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen sowie der Kraft-Wärme-Kopplung etabliert hat. Darüber hinaus wird EU-weit ein Instrument zur Kohlendioxid-Reduktion eingerichtet (Emissions-Zertifikatshandel oder Kohlendioxid-Steuer). Auf Grund der geringen staatlichen Eingriffstiefe ist hier mit den geringsten volkswirtschaftlichen Mehrkosten zu rechnen, so dass die Strompreise schwächer ansteigen, allerdings mindestens um zehn Prozent. Entsprechend fällt die Minderung der Kohlendioxid-Emissionen am geringsten von allen Szenarien aus, reduziert sich jedoch ebenfalls um mindestens zehn Prozent.

Szenario 2

Im Szenario "Europäische Harmonisierung und ökologisch orientiertes Marktagieren durch verstärktes privates Umwelthandeln" werden ähnliche Voraussetzungen wie im Szenario eins angenommen. Zusätzlich wird jedoch diese Modellrechnung mit der Annahme verknüpft, dass die Verbraucher zunehmend Strom einsparen und energieeffiziente Geräte kaufen. Deshalb steigt der Stromimportsaldo geringer an als in Szenario eins, der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert sich bis 2010 um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Der Gasanteil steigt von derzeit rund acht Prozent auf über 15 Prozent, der Strompreis steigt real gegenüber dem Jahr 2000 um mehr als zehn Prozent.

Szenario 3

"Nationale Instrumente und zusätzliche staatliche Maßnahmen im Bereich der Stromeffizienz" geht davon aus, dass keine EU-weite Harmonisierung des Strommarktes stattfindet, sondern die Politik auf nationaler Ebene besondere energie- und umweltpolitische Maßnahmen ergreift. Darüber hinaus werden weitere politische Maßnahmen zur Steigerung der Stromeffizienz umgesetzt, die private Ökostromnachfrage bleibt weiterhin gering. Diese staatlichen Eingriffe bewirken volkswirtschaftliche Mehrkosten für die Stromversorgung, die deutlich über denen in Szenario eins und zwei liegen. Die Verbraucher müssten danach im Jahr 2010 deutlich mehr als zehn Prozent für ihren Strom bezahlen, gleichzeitig hätte dies zur Folge, dass das Einsparverhalten in Haushalten und die Effizienzsteigerung in der Industrie intensiviert würden. Der Kohlendioxidausstoß würde deutlich über zehn Prozent sinken.

Szenario 4

Im Szenario 4 "Nationale Instrumente und starkes ökologisch orientiertes Marktagieren auf der Verbraucherseite" findet ebenfalls keine EU-weite Harmonisierung statt. Die Politik auf nationaler Ebene ergreift besondere energie- und umweltpolitische Maßnahmen. Zur Steigerung der Stromeffizienz wird in erster Linie auf Lenkungseffekte durch einen steigenden Steueranteil an den Strompreisen gesetzt. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass sich auf der Verbraucherseite ein verstärktes ökologisches Handeln durchsetzt. Von den vier Szenarien ist dieses das eingriffstärkste, weil zu den nationalen Maßnahmen für die Förderung der Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen sowie der Kraft-Wärme-Kopplung und der Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen noch eine Erhöhung des relativen Steueranteils an den Strompreisen hinzukäme. Infolge dessen würden die Strompreise gegenüber dem Jahr 2000 um wesentlich mehr als zehn Prozent ansteigen. Die vergleichsweise größte Kohlendioxid-Reduktion wird insbesondere durch das stärkere Einsparverhalten im privaten Bereich und eine stärkere Stromeffizienz in der Industrie hervorgerufen.

Bilanz

"Für alle vier Szenarien gilt auch, dass der Stromimport steigen wird, allerdings bis maximal fünf Prozent. Der Anteil von Gas am Energiemix wird ebenfalls zunehmen, auch dezentrale Kraftwerke sind definitiv weiter im Kommen", so Georg Förster.

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