Skandal

Experten sollen Schummelei im AKW Philippsburg prüfen

Das Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg bleibt nach wie vor abgeschaltet. Nachdem bekannt wurde, dass Mitarbeiter bei Sicherheitsprüfungen geschummelt hatten, will Betreiber EnbW eine Expertengruppe für die Überprüfung der Vorkommnisse einsetzen.

Atommüll Lagerung© Markus Schieder / Fotolia.com

Philippsburg - Der Energiekonzern EnBW will die vorgetäuschten Sicherheitsprüfungen in seinem Atomkraftwerk Philippsburg (Baden-Württemberg) mit Hilfe einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe aufarbeiten. Das kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung der EnBW Kernkraft GmbH, Jörg Michels, am Donnerstag in Philippsburg an. Zu der Gruppe gehören demnach rund 70 Fachleute. Hintergrund ist das Bekanntwerden manipulierter Kontrollen von drei Mitarbeitern, die über eine Fremdfirma angestellt waren. Ihre Motive sind allerdings weiter unklar.

Michels zufolge brachen die Mitarbeiter eine entsprechende Befragung zu den Hintergründen ab. Der EnBW zufolge waren sie seit Jahren mit der Prüfung von radiologischen Messeinrichtungen im Kraftwerk beauftragt.

Prüfprotokolle wurden manipuliert

Der Konzern hatte Anfang April zunächst festgestellt, dass ein Mitarbeiter eine wiederkehrende Prüfung an einem Störfallmonitor in Block II in Philippsburg zwar dokumentiert, aber nicht durchgeführt hatte. Bei näherem Hinsehen wurde dann auch entdeckt, dass Prüfprotokolle vordatiert wurden, um verpasste Termine zu vertuschen.

EnBW-Chef: Keine Gefahr für Menschen und Umwelt

Michels betonte, aufgrund der Manipulationen habe keine Gefährdung für Umwelt und Menschen bestanden. Alle Prüfungen an radiologischen Messeinrichtungen am Standort Philippsburg seien für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis zum 31. März 2016 vorsorglich kontrolliert worden. Außerdem habe man in allen anderen technischen Bereichen des Kraftwerks die für die Sicherheit relevanten Prüfungen neu bewertet.

Wiederanfahren muss erst genehmigt werden

Berichte mit Untersuchungsergebnissen zu den Vorfällen hat EnBW laut Michels an die Aufsichtsbehörden übermittelt. Seinen Angaben zufolge könnte das Kraftwerk - es ist momentan in einer planmäßigen Revision - am 24. Mai wieder hochgefahren werden. Zuvor ist aber eine Genehmigung durch das baden-württembergische Umweltministerium nötig.

Quelle: DPA