Prognose

Experten rechnen für 2007 mit mehr Wettbewerb im Gasmarkt

Der Wettbewerb im Gasmarkt wird sich nach Einschätzung der Bundesnetzagentur und des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) für Endverbraucher in diesem Jahr deutlich verbessern. Die bisher spärliche Anbieterzahl soll im Laufe des Jahres spürbar zunehmen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Wechselmöglichkeiten für Gaskunden seien derzeit noch sehr beschränkt, 2007 sei hier aber "ein deutlicher Schritt vorwärts" zu erwarten, so der Präsident der Behörde, Matthias Kurth. Bislang haben private Gasverbraucher in Deutschland nach Informationen der Regulierungsbehörde lediglich in Hamburg, Berlin, Bonn und im südlichen Hessen eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Anbietern. Ziel müsse sein, flächendeckend Wettbewerb zu schaffen. "Der Kundenwechsel muss auch im Gasbereich eine Selbstverständlichkeit werden", sagte Kurth. Dies werde auch den Druck auf die Preise erhöhen.

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, bezeichnete den Wettbewerb im Gasmarkt ebenfalls als wenig zufrieden stellend. Sein Haus werde künftig den Druck auf die Unternehmen erhöhen, sagte er in Berlin. Auch die regionalen Gasversorger und Stadtwerke müssten sich auf der Einkaufsseite bewegen und notfalls Alternativen bei der Beschaffung prüfen. Die Zeiten seien vorbei, als die Gasunternehmen unter einem allgemeinen Verweis auf höhere Beschaffungskosten die Preise anheben konnten.

Auch die deutsche Gaswirtschaft rechnet damit, dass der Wettbewerb um die Haushaltskunden in den kommenden Monaten in Fahrt kommt. "Mehrere Unternehmen stehen in den Startlöchern, um in den Wettbewerb einzutreten", sagte BGW-Präsident Michael Feist der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones in Berlin. Die Voraussetzungen seien gut, dass schon bald immer mehr Endverbraucher eine Alternative zu ihrem heimischen Gasanbieter bekommen.

Wie sich der Wettbewerb auf die Haushaltskundenpreise auswirken werde, sei aber schwer vorauszusehen. Neben der Entwicklung der Weltmarktpreise hänge dies auch von der Politik der Bundesregierung ab. "Wir sehen die Tendenz der Regierung, dass die erwirtschafteten Vorteile für den Endverbraucher durch steigende staatliche Belastungen wieder aufgezehrt werden", betonte Feist. Neue Belastungen drohten etwa durch die Pläne der Bundesregierung zur Förderung der Wärmeerzeugung durch regenerative Energien (Wärme-EEG).

Neben inländischen Energieversorgern würden sich auch ausländische Anbieter wie Nuon, Essent, Dong und Econgas an dem Kampf um die Haushaltskunden beteiligen. Bei einem Eintritt des russischen Energiekonzerns Gazprom in den deutschen Gas-Endkundenmarkt werde sich dieser wohl geeignete deutsche Partner suchen.