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18.07.2012, 12:02 Uhr

Strom-News

"Armutszeugnis"

Experten kritisieren Netzausbau als in Teilen unnütz

Die Debatte um die Energiewende ist in vollem Gang. Wird Deutschland es schaffen, das Ruder wie geplant herumzureißen? Einem Bericht zufolge gibt es zum Beisiel beim Netzausbau mehr Probleme als nötig. Demnach ist der Ausbau teilweise unsinnig und viel zu teuer; manche Kosten wären offenbar vermeidbar.

Hamburg/Linden (red) - Das Konfliktpotenzial der Energiewende scheint mit jedem Tag größer zu werden. Nachdem Umweltminister Altmaier öffentlich eingestanden hat, dass einige Ziele der Energiewende womöglich nicht erreicht werden, ist die Verunsicherung weiter gestiegen. Nun berichtet Spiegel Online über zwei Wissenschaftler, die sagen, man könne den Netzausbau viel billiger haben - es würden Unsummen verschleudert.

Warum der Netzausbau auch billiger ginge

Leitung Forscher kritisieren den Netzausbauplan als überteuert und rechtlich angreifbar. Das Magazin zitiert aus einer Analyse der beiden Wissenschaftler Lorenz Jarass und Gustav Obermair, die im August als Buch veröffentlicht werden soll. Die beiden Forscher haben seit 25 Jahren die Wirtschaftlichkeit der deutschen Stromnetze analysiert und jetzt einen genauen Blick auf den so genannten Netzentwicklungsplan geworfen, in dem Regierung und Netzbetreiber schildern, was für die Energiewende aus ihrer Sicht in Angriff genommen werden muss.

Jarass und Obermair sagen nun dem Bericht zufolge, der Netzentwicklungsplan sei "überteuert, ineffizient und in Teilen sogar rechtswidrig". Viel zu viele Leitungen würden geplant, was die Bürger mit rund 20 Milliarden Euro in den kommenden Jahren belaste, und diese Summe könne eingespart werden. Die geplante extrem hohe Zahl neuer Netze, die zu jedem erdenklichen Zeitpunkt jede erdenkliche Menge Strom aufnehmen könnte, lasse die Kosten explodieren. Es gehe auch bescheidener, so wie im Energiewirtschaftsgesetz formuliert: Dort steht zusammengefasst, es solle so viel ausgebaut werden, wie wirtschaftlich zumutbar wäre.

Die Wirtschaftlichkeit werde völlig außer Acht gelassen

Auch die Netzagentur sehe ein "sinnvolles Verhältnis zwischen Netzausbau und Abschaltmaßnahmen", es müsse nicht jede vorstellbare Strommenge transportiert werden können. Anders die Pläne der Regierung, die aus Sicht der Wissenschaftler ein Mega-Netz plant, dass nicht nur sämtlichen Ökostrom, sondern auch allen konventionellen Strom auf einmal würde transportieren können. In Folge dessen würde Deutschland viel zu viel Strom produzieren und halb Europa mit billigem Strom fluten. Es sei falsch, so Jarass und Obermair, den Abnehmern zu garantieren, dass sie ihren Strom unter allen nur denkbaren Bedingungen los würden.

Vielmehr sollten auch andere Varianten des Netzausbaus durchgerechnet werden. Die Wissenschaftler glauben dem Magazinbericht zufolge, dass man das Stromnetz von Grund auf neu konzipieren müsse. Der Netzentwicklungsplan sei ein "Armutszeugnis". Im Wirtschaftsministerium weist man darauf hin, der Plan sei ein Entwurf der Netzbetreiber, nicht der Regierung. Zudem könnten die Bürger weiterhin in öffentlichen Konsultationen zum Ausbauplan Stellung beziehen.

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