Atomausstieg

Experten fürchten schlagartige Abschaltung von neun Akw

Die bisherigen Pläne liefen wegen der Regelung zu den Reststrommengen auf die Abschaltung der neun verbliebenen Atomkraftwerke innerhalb eines Zwölf-Monats-Zeitraums in den Jahren 2021 und 2022 hinaus, was erhebliche Versorgungsprobleme vor allem in Süddeutschland mit sich bringen könnte.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin, 1. Juni (afp/red) - So heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Gutachten des Öko-Instituts im Auftrag der Umweltvereinigung WWF. An die Stelle dieses "geballten Abschaltens" müsse ein stufenweises Abschalten der Meiler über einen längeren Zeitraum treten, forderte der WWF.

"Wir bewegen uns sehenden Auges auf ein großes Problem zu", warnte die WWF-Energieexpertin Regine Günther. "Für einen verlässlichen Übergang ins Zeitalter der erneuerbaren Energien muss der derzeitige abrupte Abschaltplan verändert werden." In einem Zeitraum von nur rund zwölf Monaten fast alle länger betriebenen Anlagen vom Netz zu nehmen, sei teuer und auch politisch riskant: "Eine solche Situation ist eine Steilvorlage für die Betreiber der Kernkraftwerke, die Stilllegung weiter hinauszuzögern", sagte Günther. Der WWF forderte, die Reststrommengen um mindestens 35 Prozent zu kürzen.

Erfolgt eine schlagartige Stilllegung?

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnte davor, dass zu Beginn des kommenden Jahrzehnts große Kraftwerkskapazitäten "schlagartig" zur Stilllegung anstünden. "Es bedarf keiner großen Phantasie sich vorzustellen, welches Geschrei zu Beginn der 20-er Jahre angestimmt werden wird, um den Ausstieg noch ein Mal zu verzögern", kritisierte DUH-Geschäftsführer Rainer Baake. Der von der Regierung angekündigte zeitlich gestaffelte Ausstieg könne nach den bisherigen Plänen nicht stattfinden, weil die verbleibenden neun Atomkraftwerke noch so viel Strom produzieren dürfen, dass ihre Stilllegung erst 2021 und 2022 anstehe. "Im Ergebnis droht das Scheitern der Energiewende", heißt es in einer DUH-Analyse.

Die bisherigen Ausstiegspläne von Schwarz-Gelb sehen vor, dass die im Zuge des Atommoratoriums stillgelegten sieben ältesten deutschen Akw sowie der als "Pannenmeiler" titulierte Reaktor in Krümmel nicht mehr ans Netz gehen sollen. Von den übrigen müssen sechs bis Ende 2021 abgeschaltet werden. Die drei modernsten Akw erhalten eine Frist bis Ende 2022.