ZEW-Energiemarktbarometer

Experten erwarten nur kurzfristig Entspannung bei Energiepreisen

Laut dem ZEW-Energiemarktbarometer erwartet die Mehrheit der befragten Experten kurzfristig stagnierende Energiepreise, auch die Preise für Primärenergieträger werden konstant eingeschätzt. In den nächsten fünf Jahren werden jedoch höhere Preise bei Strom, Erdgas, Rohöl und Kohle erwartet.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Mannheim (red) - Auf kurze Sicht geht die Mehrheit der Energieexperten von stagnierenden Energiepreisen aus. So erwarten rund 57 Prozent in den nächsten sechs Monaten stagnierende Strompreise für Industriekunden, 6 Prozent prognostizieren einen Rückgang des Elektrizitätspreises. Allerdings rechnen auch rund 37 Prozent mit einem weiteren Anstieg des Strompreises. Dies zeigt eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei mehr als 200 Energieexperten im Rahmen des aktuellen ZEW-Energiemarktbarometers.

Ein erheblich freundlicheres Bild zeichnet sich bei der kurzfristigen Entwicklung der Preise für Primärenergieträger ab. So rechnen lediglich noch 25 Prozent der Befragten mit einem Anstieg des Erdgaspreises in den nächsten sechs Monaten, wogegen rund 27 Prozent sogar eine Preissenkung erwarten. Von konstanten Preisen gehen rund 48 Prozent der Befragten aus.

Auch beim Rohöl sehen die Teilnehmer am Energiemarktbarometer auf kurze Sicht eine deutliche Entspannung. Nur ein knappes Viertel der Experten – und damit rund ein Viertel weniger als im August 2006 – rechnet mit einem Preisanstieg beim Rohöl in den nächsten sechs Monaten. Die Mehrheit von rund 63 Prozent sieht stagnierende Preise und etwa 12 Prozent erwarten Preissenkungen bis zum Sommer. Ein freundlicheres Bild bezüglich der Ölpreisentwicklung gab es zuletzt im Winter 2003.

Ebenfalls lediglich ein Viertel der Umfrageteilnehmer rechnet im ersten Halbjahr 2007 mit steigenden Kohlepreisen. Zum Vergleich: Im Sommer 2006 waren es noch knapp 34 Prozent. Eine Mehrheit von rund 68 Prozent erwartet dagegen stabile und rund 6 Prozent sinkende Preise.

Langfristig Preissteigerung erwartet

Im Gegensatz zu den recht freundlichen Erwartungen auf kurze Sicht gehen 79 Prozent der befragten Experten für die lange Frist davon aus, dass die Strompreise für Industriekunden in den nächsten fünf Jahren steigen werden. Knapp 16 Prozent halten stagnierende Strompreise für wahrscheinlich und nur knapp 5 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren Preissenkungen. Die Experten bestätigen damit noch einmal sehr klar ihre Einschätzungen aus dem letzten ZEW-Energiemarktbarometer vom August 2006.

Eine klare Mehrheit von 85 Prozent der Befragten hält auf lange Sicht auch einen Anstieg des Erdgaspreises für wahrscheinlich. Nur rund 12 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren stagnierende und lediglich rund 3 Prozent sinkende Erdgaspreise. Im Vergleich zu August 2006 nimmt der Anteil derer, die langfristig mit teurerem Erdgas rechnen, somit noch einmal um rund zehn Prozent zu (rund 75 Prozent im August 2006).

Die gleiche Tendenz zeigt sich bei der Einschätzung der langfristigen Ölpreisentwicklung. Etwa 82 Prozent der Befragten erwarten in den nächsten fünf Jahren steigende Rohölpreise, rund 14 Prozent gehen von stagnierenden Preisen aus und lediglich 4 Prozent rechnen mit einem Preisrückgang. Auch hier gehen rund 10 Prozent mehr Experten von steigenden Preisen aus als noch im Sommer 2006.

Nach Ansicht der Mehrzahl der Befragten wird auch der Kohlepreis in den nächsten fünf Jahren steigen. Etwa 62 Prozent rechnen mit steigenden Preisen, rund 34 Prozent sehen einen künftig stabilen Kohlepreis, und nur rund 4 Prozent erwarten Preissenkungen.

Das ZEW-Energiemarktbarometer ist eine halbjährliche Befragung von mehr als 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis (Energieversorgungs-, -handels- und -dienstleistungsunternehmen), die zu ihren Erwartungen hinsichtlich der kurz- und langfristigen Erwartungen auf den nationalen und internationalen Energiemärkten befragt werden.