Ursachenforschung

Experten auf Spurensuche nach Brand in Krümmel

Nach dem Brand eines Transformators auf dem Gelände des AKW Krümmel haben Experten nun mit der Untersuchung des Brandortes begonnen. Seit dem späten Vormittag nehmen Sachverständige im Auftrag der Lübecker Staatsanwaltschaft den ausgebrannten Transformator in Augenschein, so eine Vattenfall-Sprecherin.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht (ddp-nrd/sm) - Nach der Freigabe des Brandorts durch die routinemäßig ermittelnde Staatsanwaltschaft sollten Experten der Kieler Aufsichtsbehörde und der Versicherungen den Brandort untersuchen. Parallel dazu ließ das Kieler Sozialministerium als Aufsichtsbehörde den zweiten Transformator am Atommeiler prüfen. Mit ersten Ergebnissen wird nach Ministeriumsangaben frühestens am Dienstag gerechnet.

Die Gutachter sollen prüfen, wie belastbar der baugleiche zweite Transformator in Krümmel ist, wie Ministeriumssprecher Oliver Breuer sagte. Betreiber Vattenfall Europe wolle den Reaktor zunächst nur mit einem Transformator wieder anfahren. Dann könnte Krümmel höchstens 60 Prozent der möglichen Leistung liefern. Zum Brandzeitpunkt am Donnerstag waren beide 380-Kilovolt-Transformatoren in Betrieb gewesen.

Den Brandort hatte die Staatsanwaltschaft zur routinemäßigen Untersuchung abgesperrt. Erst nach Beendigung dieser Ermittlungen soll der ausgebrannte Transformator für die Prüfungen durch Sachverständige der Aufsichtsbehörde und der Versicherungen freigegeben werden.

Wegen der großen Hitzeentwicklung gelang es Experten am Freitag noch nicht, den Brandherd in einem Trafo-Werk auf dem Gelände des Reaktors Krümmel näher zu inspizieren. Dort loderte nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Ivo Banek "direkt innerhalb des Trafos noch ein Brandherd". Bis Sonntag war im AKW Krümmel das letzte Glutnest im Inneren des Transformators gelöscht worden. Die Werksfeuerwehr hatte das Gebäude sowie den Transformator bis Sonntagnachmittag auf 30 Grad heruntergekühlt.

Wie erst am Freitag bekannt wurde, war es nach der durch einen Kurzschluss bedingten Abschaltung im AKW Brunsbüttel am Donnerstag zu einem Schwelbrand an der Turbine gekommen. Durch ein Leck sei Öl ausgetreten und habe sich entzündet. Durch diesen Vorfall habe jedoch keine Gefahr für den Reaktor bestanden, sagte TÜV-Nord-Experte Rudolf Wieland. Beim Herunterfahren des AKW seien zudem Risserweiterungen an Abdeckungen von Rohrleitungen festgestellt worden. Nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Banek wurde der Schwelbrand von einem Mitarbeiter per Handfeuerlöscher gelöscht.

Vattenfall-Sprecher Johannes Altmeppen betonte, der Brand in Krümmel sei "offensichtlich" durch "einen Kurzschluss" entstanden, wodurch sich das "Kühlöl für die Trafostation" entzündet habe. "Und dadurch ist dieser Trafo ausgefallen." Er wies zugleich Vorwürfe von Greenpeace zurück, wonach sich das Feuer in Krümmel über die Kabel bis in den Reaktorteil hinein hätte ausbreiten können. Diese Gefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. "Es gibt keine Verbindung zwischen dieser Trafostation und dem Reaktorteil."

Unterdessen können Experten einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen in Krümmel und Brunsbüttel nicht ausschließen. TÜV-Nord-Experte Wieland betonte jedoch, einen "direkten Zusammenhang" könne es seiner Einschätzung nach nicht gegeben haben. Nach Ansicht von Vattenfall-Sprecher Banek ist es jedoch "denkbar, dass die durch das Abschalten von Brunsbüttel bedingten Spannungsschwankungen im Stromnetz in Krümmel Auswirkungen hatten".

Gabriel sieht Atomausstieg bestätigt

Der Brand im Atomkraftwerk Krümmel belegt nach Ansicht von Bundesumweltminister Siegmar Gabriel (SPD) die Notwendigkeit des Atomausstiegs. Daran müsse vor allem aus Sicherheitsgründen festgehalten werden, sagte Gabriel am Freitag in Berlin. "Mit Krümmel und Brunsbüttel haben wir ja gerade wieder erlebt, dass die deutschen Atomkraftwerke die sichersten der Welt sind, nur gelegentlich brennts und knallts mal", betonte der Minister. Über die Ursachen für den jüngsten Zwischenfall habe er noch keine neuen Erkenntnisse. Krümmel habe jedoch im vergangenen Jahr die meisten Schadensmeldungen deutscher Atomkraftwerke gemeldet.

Nach dem Brand auf dem Krümmel-Gelände hat die Lübecker Staatsanwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen. Natürlich werde auch in diesem Fall geprüft werden müssen, ob möglicherweise eine Straftat vorliegt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.