Laufzeiten verlängern

Experte: Ohne Kernkraft sind Emissionsziele nicht erreichbar

Um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten wird die Bundesregierung nach Meinung des Energie-Experten und Physik-Professors Konrad Kleinknecht wegen der drohenden Stromlücke und ihrer Emissionsziele nicht herumkommen. Kernenergie durch Kohle zu ersetzen, sei klimapolitisch eine Katastrophe, denn CO2-freie Kohlekraftwerke seien noch nicht ausgereift.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (red) - "Wir brauchen die Verlängerung der Laufzeiten nicht, damit die Versorger mehr Profit machen, sondern um das Weltklima zu schützen." Ohne die längeren Laufzeiten könne die Bundesregierung "ihr Klimaschutzziel vergessen", sagte Kleinknecht in einem Interview mit dem wöchentlichen Finanzdienst "Capital Investor". Außerdem entstände bei der Stromerzeugung eine große Lücke, da Atomkraftwerke zur Zeit rund ein Viertel des Strombedarfs decken.

Für den Energie-Experten Kleinknecht wäre es eine gute Alternative, "die Hälfte der Atomstrom-Gewinne von den Versorgern einzukassieren und dieses Geld in Erneuerbare Energien sowie in Wärmedämmung bei Altbauten zu investieren".

Zudem seien auch moderne neue Kohlekraftwerke "klimapolitisch eine Katastrophe". Um die Kernenergie durch moderne Kohlekraftwerke zu ersetzen, müssten 30 neue Kohlekraftwerke gebaut werden, was den CO2-Ausstoß um 120 Millionen Tonnen oder 15 Prozent pro Jahr steigen würde. Das Kohlendioxid abzuscheiden und unterirdisch zu speichern, sei noch keine Alternative, da die Technologie noch nicht ausgereift ist. "Ein CO2-freies Kohlekraftwerk gibt es zurzeit nur in der Werbung der Stromkonzerne", so Kleinknecht.