Vor Kohlegesprächen

Experte: Ende der Kohlesubvention gefährdet Energieversorgung nicht

Die Energiesicherheit in Deutschland ist nicht gefährdet, wenn der deutsche Steinkohlebergbau bald sein Ende findet, sagte der Finanzwissenschaftler Rainer Kambeck vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Diessei nicht mit Gas oder Öl vergleichbar.

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Berlin (ddp/sm) - Weil Deutschland Steinkohle aus verschiedenen Ländern beziehe, wachse die Versorgungssicherheit sogar, wenn der deutsche Kohlebergbau aufgegeben wird. So würden die Wirtschaftsbeziehungen zu den Förderländern intensiviert.

Kambeck sagte, es sei im Sinne der Beschäftigten besser, "eher früher als später" aus der staatlichen Kohleförderung auszusteigen. Der Bergbau in Deutschland habe "keine Zukunft". Der Abbau deutscher Kohle unter Tage sei zu kostenintensiv. In anderen Ländern werde die Kohle deutlich günstiger über Tage abgebaut. Die 2,5 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr könnten etwa genutzt werden, um die bis zu 35 000 Beschäftigten im Kohlebergbau nach und nach umzuschulen.

Am Sonntag wollen sich Vertreter der Politik, der IG Bergbau und des Essener Bergbaukonzerns RAG zu einem weiteren "Kohlegipfel" in Berlin treffen und über die Zukunft der Kohlefinanzierung sprechen. Der Streit um die Subventionen bringt offenbar den Zeitplan für den geplanten Börsengang der RAG in Gefahr. Der Konzern will eigentlich im Frühjahr 2007 mit seinem "weißen Bereich" (Chemie, Energie und Immobilien) an die Börse gehen und den defizitären Bergbau in eine Stiftung auslagern. Dabei soll die Haftung des "weißen Bereichs" für die Risiken bei der Kohleförderung aufgehoben werden.

Die potenziellen Anleger forderten hier Klarheit, sagte Kambeck am Freitag. Nur ein Ausstieg aus der Subventionierung würde eine solche Klarheit schaffen. Dann könnte der "weiße Bereich" zum Beispiel nicht mehr zur Altlastensanierung herangezogen werden.