Energiewende

Experiment: E-Autos als gigantischer Stromspeicher

Das Elektroauto soll Umwelt und Klima schützen, indem es dabei hilft, den CO2-Austoß zu senken. Es könnte aber auch bei dem Ausstieg aus der Atomkraft eine Unterstützung sein. Wie das funktionieren könnte, wird gerade von der Lichtblick SE und von 20 Haushalten getestet.

Elektroauto© Sven-Sebastian Markschies / Fotolia.com

Hamburg (red) – Während Daniela Buchwald an der Arbeit sitzt, steht ihr Elektroauto auf dem Parkplatz vor dem Betrieb und lädt seinen Akku auf. Eine Smartphone-App zeigt ihr den Energiezustand ihres Autos an und sorgt dafür, dass das Auto zur Anfahrtszeit zu 100 Prozent geladen ist. Im Terminkalender der App wird ebenfalls vermerkt, wann Arzttermine oder ähnliches stattfinden.

Während ihr Auto an der Ladesäule steht, bessert die 50-Jährige auch noch ihre Einkünfte etwas aus. Das Elektroauto wird dort nämlich nicht nur aufgeladen. Buchwald erhält Geld, weil sie den Strom aus ihrem Auto verkauft, wenn davon zu wenig im Stromnetz ist. Gleichzeitig speichert sie mit ihrem Auto Energie, wenn zu viel produziert worden ist.

Das Elektroauto als Speicher für Ökostrom

Und das kommt im Zuge der Energiewende und dem Umstieg auf die erneuerbaren Energien immer häufiger vor, weil etwa Sonne und Wind nicht immer die gleiche Menge an Strom produzieren. Indessen sitzt in Hamburg die Schaltzentrale von Lichtblick, welche die insgesamt 20 Test-Autos innerhalb des Projekts "SchwarmMobilität" steuert. Mit der zugehörigen Software sollen künftig eine Million Elektroautos kontrolliert werden und damit als Speicher für den Ökostrom dienen. Spiegel Online zufolge wäre das mit rund sieben Gigawatt der größte Speicher, den es deutschlandweit geben würde.

Einschränkungen bei der Flexibilität

Bisher bleibt das Projekt aber erst einmal noch bei dem Praxistest in der kleinen Version. Denn auch wenn die Idee sehr viel Positives mitbringt, hapert es noch bei der Umsetzung. Beispielsweise nimmt auch Buchwalds Chef, Christian Zech, an dem Testlauf teil. Seine Tagesplanung ist sehr viel unregelmäßiger als die von seiner Kollegin, was das Laden und Entladen erschwere. Zech erlebe zudem häufig von Benzin-Autos blockierte Ladestationen in der Innenstadt. Außerdem habe er regelmäßig Probleme mit der Ladestation bei ihm zu Hause.

Rund 50 Prozent Benzinkosten eingespart

Bei Daniela Buchwald und dem eher strukturierten Wochenablauf gestaltet sich das Schwarm-Experiment einfacher. Das Auto kann während ihrer Arbeitszeit bis auf zehn Prozent Stromreserve komplett entladen werden. Das hat sie selbst in den App-Einstellungen festgelegt. Der Strom wird bisher aber noch nicht tatsächlich an der Börse verkauft, dafür fehlt bisher noch ein Abrechnungsmodell. Ihre Prämie sei mit 15 Euro bisher eher niedrig, aber dafür habe Buchwald eine Menge Benzin gespart: Seitdem sie an dem Experiment teilnimmt, sollen es rund 50 Prozent gewesen sein.