Exklusivinterview mit MdB Eva Bulling-Schröter (PDS)

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In einem Exklusivinterview mit dem Strom-Magazin äußerte sich die Energieexpertin der PDS Eva Bulling-Schröter zu den Problemen des liberalisierten Strommarktes.



Strom-Magazin: Welche Möglichkeit wird Ihrer Meinung nach die Liberalisierung des Strommarktes den Endkunden bieten?



Bulling-Schröter: Nach Expertenmeinungen werden Stromkosten für Großkunden um zirka ein Drittel, und damit deutlich stärker fallen, als die Kosten für Kleinverbraucher. Ihre Stromrechnung werden sich wohl nur um 10 bis 20 Prozent reduzieren. Damit wird eine Entwicklung fortgeschrieben, die gerade den größten "Stromfressern" die weitgehendsten Rabatte einbringt. Daß die Liberalisierung den Monopolpreisen der großen EVU's endlich das Genick brechen wird, ist sicher wünschenswert. Aus Sicht der Umwelt geht
es jedoch nur um ein liberales Wettrennen um den am billigsten produzierten, nicht um den volkswirtschaftlich günstigsten Strom. Wer Sonnen- oder Windenergie aus der Steckdose zapfen, also Umweltzerstörung reduzieren und nachfolgenden Generationen keine Hypotheken hinterlassen
will, wird mit deutlich höheren Energiepreisen bestraft. Eine kinderreiche Familie kann also grünen Strom wollen, aber vielleicht nicht bezahlen.



Strom-Magazin: Wird ein ähnlicher Preiskampf wie in der Telekommunikationsbranche entbrennen?



Bulling-Schröter:Die Preise der Stromversorger gehen jetzt schon nach unten. Weil Gewinnmargen dahinschmelzen, steigt der Fusions- und Innovations- und Rationalisierungsdruck um Kosten zu sparen. Vieles wird dabei auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Insofern gibt es Parallelen zum Telekommunikationsmarkt. Im Gegensatz zur Telekommunikation kann im Strommarkt von einer weitgehenden Gleichbehandlung aller Anbieter nicht die Rede sein. Zwischen Yellow- und grünen Stromverkäufern besteht im Preiskampf keine Chancengleichheit. Erstere kaufen billig Atom- und Kohlestrom ein, dessen Umweltkosten, Risiken und Forschungssubventionen die ganze Gesellschaft zu tragen hat. Letztere müssen ihr umweltfreundlicheres und zukunftsfähiges Produkt in der Regel noch deutlich teurer anbieten. Technische Entwicklung und Marktanteile lassen hier keinen Preissturz erwarten. Weder das Stromeinspeisegesetz, noch der peinliche Torso, der von der rotgrünen Ökosteuerreform
übriggeblieben ist, ändern etwas an dieser Situation.



Strom-Magazin:Welche Schritte sollte die Politik in der weiteren Regulierung des Strommarktes unternehmen um einen fairen Wettbewerb zu garantieren?



Bulling-Schröter: "Fair" ist eine politische Kategorie. In einem Umfeld, in dem die ökologischen Folgekosten der Stromproduktion in so ungleicher Weise verteilt sind, wäre formale Chancengleichheit nichts anderes als Ungleichheit. Deshalb müssen - neben einem schnellstmöglichen Abschalten aller Atomanlagen - die Wettbewerbsnachteile regenerativer Energien deutlicher als bisher durch folgende Maßnahmen ausgeglichen werden: Solarstrom und Windenergie sind kostendeckend zu vergüten. Strom aus der Kraftwärmekopplung muß über Quotenregelungen fester Bestandteil des jeweiligen Strommixes sein. Umweltkosten sind zum Faktor betriebswirtschaftlicher Kalkulationen zu machen. Dafür sind eine Ökosteuerreform, die ihren Namen verdient, und andere ökonomische Instrumente, wie Zertifikats-, Ausschreibungs- und Quotenlösungen, geeignet. Sozial Schwache müssen dabei einen finanziellen Ausgleich erhalten. Über verschiedene Förderinstrumentarien sollten Investitionen in regenerative Energien protegiert werden. Und schließlich ist eine umfassende Regulierung der Durchleitungen genauso wichtig, wie die Entflechtung von Elektrizitätsmonopolen.



Strom-Magazin: Wechseln Sie privat Ihren Stromanbieter und wenn ja, wann?



Bulling-Schröter: Ich möchte Strom aus regenerativen Energien beziehen. Noch ist mir der Markt jedoch zu unübersichtlich, die Anbieter von grünem Strom noch nicht zertifiziert. Sobald die Konturen hier etwas klarer werden, werde ich wechseln.



Strom-Magazin: Ihre persönlichen Stromspartips?



Bulling-Schröter: Unsinnige Haushaltgeräte stillzulegen ist genauso wichtig, wie Stand-by Funktionen abzuschalten. Bei notwendigen Neuanschaffungen Zeit für die Auswahl von Energiesparmodellen nehmen. Volle Füllungen von Waschmaschinen sparen nicht nur Strom, sondern auch Wasser. Der Wäschewaschwahn der Deutschen könnte ohnehin etwas gezügelt werden.


Annika Krisp