Ersatzteile

EWN verschifft Dampferzeuger nach Russland

Die Energiewerke Nord GmbH (EWN) hat drei unbenutzte Dampferzeuger an den russischen Kernkraftwerkbetreiber Atom Techno Prom verkauft. Die jeweils 163 Tonnen schweren Anlagen aus dem nicht fertig gestellten Block 6 in Lubmin (Vorpommern) sollen bis Freitag verschifft werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp.djn/sm) - Die Energiewerke Nord GmbH (EWN) hat durch den Verkauf neuwertiger, nicht mehr benötigter Ersatzteile aus den stillgelegten ostdeutschen Kernkraftwerken Lubmin und Rheinsberg bislang Erlöse im Umfang von 2,2 Millionen Euro erzielt. Der größte Transport unbenutzter Anlagenteile soll noch in dieser Woche nach St. Petersburg verschifft werden, wie das Unternehmen mitteilte.

Dabei handelt es sich um drei jeweils 163 Tonnen schwere Dampferzeuger, die ursprünglich für den Bau des nicht mehr fertig gestellten Blocks 6 in Lubmin (Vorpommern) vorgesehen waren. Die Anlagenteile wurden am Mittwoch im Hafen Lubmin von einem Schwerlastkran auf einen russischen Frachter verladen. Käufer ist der russische KKW-Betreiber Atom Techno Prom, der die Anlagen im Atomkraftwerk Novovoronesh südlich von Moskau einsetzen will. Das 1964 in Betrieb gegangene KKW betreibt derzeit noch drei bauähnliche Reaktoranlagen mit Bruttoleistungen von jeweils 380 und 1000 Watt. Angaben zum Verkaufspreis wurden nicht gemacht.

Nach Angaben von EWN-Chef Dieter Rittscher wird derzeit ein weiterer Verkauf von regeltechnischen Anlagen über rund eine Million Euro vorbereitet. Zu den noch verfügbaren, unbenutzten Restbeständen gehörten außerdem drei weitere Dampferzeuger, sagte Rittscher. EWN hatte in den vergangenen Jahren mehrfach nicht mehr benötigte, gebrauchsfähige Kraftwerksanlagen an KKW-Betreiber, unter anderem in Russland, Tschechien und Ungarn, veräußert.

Zudem wurden bereits vor 13 Jahren 127 neue Brennelemente an das tschechische KKW Dukovany verkauft. Weitere 235, noch nicht abgebrannte Brennelemente gingen 1996 an das ungarische KKW Paks. Darüber hinaus wurden 180 Brennelemente an amerikanische Kunden verkauft. Damit konnten nach EWN-Angaben Lagerkosten im Umfang von mehreren Millionen Euro eingespart werden.

Nach Angaben von Rittscher liegt die EWN beim Rückbau der Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg trotz steigender Preise weiterhin im ursprünglichen Kostenrahmen von schätzungsweise 3,2 Milliarden Euro. Bislang wurden etwa zwei Drittel der radioaktiv kontaminierten Anlagen zerlegt und im atomaren Zwischenlager Nord deponiert. Die Arbeiten sollen voraussichtlich im Jahre 2010 abgeschlossen sein.

Finanziell entlastet werde der vom Bund finanzierte Rückbau durch die Vermarktung von Know-how-Leistungen im In- und Ausland. Insgesamt seien damit Mittel im Umfang von rund 300 Millionen Euro erwirtschaftet worden, sagte Rittscher. So waren bislang etwa 150 Spezialisten der insgesamt 1000 EWN-Mitarbeiter als Berater bei Atomausstiegsprojekten in Russland, in der Ukraine, Armenien, Tschechien, Bulgarien und der Slowakei im Einsatz.

Von Ralph Sommer