Greifswalder Bodden

EWE kündigt Bau unterirdischer Erdgasspeicher an

Der Oldenburger Energiekonzern EWE plant in Vorpommern den Bau eines großen unterirdischen Erdgasspeichers. Dafür solle der in 450 Metern Tiefe befindliche, etwa 1150 Meter hohe Salzstock Moeckow bei Züssow genutzt werden, sagte EWE-Projektleiter Thomas Beutel am Montag in Wrangelsburg.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Wrangelsburg (ddp-nrd/sm) - Die seismischen Untersuchungen und eine inzwischen abgeschlossene Probebohrung auf dem 50 Quadratkilometer großen Terrain hätten ergeben, dass sich die steinsalzhaltige Lagerstätte ideal für den Bau von Kavernen eigne. In einer ersten Bauphase sollen in den nächsten acht Jahren zunächst zehn bis zwölf Kavernen mit einem Fassungsvermögen von jeweils etwa 500.000 Kubikmetern ausgespült werden. Insgesamt würden mehr als 200 Millionen Euro investiert. Längerfristig ist der Bau von insgesamt 20 Erdgasdepots mit einem Gesamtfassungsvermögen von einer Milliarde Kubikmeter Erdgas geplant.

Den Plänen zufolge will die EWE im kommenden Jahr zeitgleich mit dem Bau der Ostsee-Pipeline-Anbindung-Leitung (OPAL) von WINGAS auf der gleichen Trasse eine Wasserleitung verlegen, durch die das ausgespülte Steinsalz in den Greifswalder Bodden abgeführt werden soll. "Wir werden die Sole mit Wasser aus dem ehemaligen KKW-Auslaufkanal in Lubmin auf eine Konzentration von zehn Gramm Steinsalz je Liter verdünnen, was dem natürlichen Salzgehalt im Greifswalder Bodden entspricht", sagte Beutel. Das Projekt werde von Wissenschaftlern der Universität Rostock begleitet, die derzeit an einer Umweltverträglichkeitsstudie arbeiteten und auch ein Modell zur Verwirbelung des Salzwassers im Bodden erstellten.

WWF kritisiert geplante Salz-Einleitung in den Greifswalder Bodden

Die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) kritisierte die geplante Salzeinleitung. Bei derartigen Salzmengen sei fraglich, ob überhaupt genügend Wasser für die gewünschte Verdünnung verfügbar sei, sagte der für die Ostsee zuständige WWF-Projektleiter Jochen Lamp. Der als Laichgebiet geltende Bodden werde jahrelang mit sauerstoffarmen Salzwasser und zudem noch mit Abwärme aus den geplanten Kraftwerken gespeist, was zu einer ernsthaften Bedrohung des Ökosystems führen würde.

Das erste Erdgas, das über die Ostseepipeline der Nord Stream AG von Russland nach Lubmin fließen soll, könnte nach EWE-Angaben ab 2012 in den ersten Kavernen verpresst werden. Am Standort Moeckow sollen zehn Arbeitsplätze entstehen, deren Vergabe demnächst ausgeschrieben werden soll. Etwa ein Drittel des Leitungsbaus im Umfang von 65 bis 100 Millionen Euro soll von einheimischen Bau- und Anlagenbaufirmen übernommen werden. Zudem würden regionale Firmen mit Wartungsaufträgen im Umfang von jährlich rund 500.000 Euro beauftragt.

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) begrüßte das Investitionsvorhaben. Damit stärke die EWE die Entwicklung des Industriestandorts Lubmin, sagte er. Zugleich kündigte er drei Genehmigungsverfahren für die bergbaurechtliche Solung des Salzstocks, den Bau einer Gasleitung von Lubmin nach Moeckow sowie die Soleableitung in den Greifswalder Bodden an. Seidel sagte, Ziel der Landesregierung sei es, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttosozialprodukt des Landes von derzeit 12,7 auf 16 bis 19 Prozent zu erhöhen.