Überhöht?

"EVUs wollen Kunden in die Tasche greifen"

... und das mit einer vermeintlich "fadenscheinigen Begründung": Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) lehnt die von den Energieversorgungsunternehmen angekündigten Strompreiserhöhungen für das kommende Jahr ab - jetzt seien Verbraucherschützer und die Strompreisaufsicht gefragt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Auf "totale Ablehnung" stößt beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) die erneute Ankündigung einer Strompreiserhöhung. Aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWK-G) sowie der Ökosteuer hat der Verband der Elektrizitätswirtschaft e.V. (VDEW) für das kommende Jahr ein Preisanstieg von etwa fünf Prozent für Privatkunden prognostiziert.

"Mit dieser Begründung sind bereits in den letzten zwei Jahren die Strompreise völlig überzogen angehoben worden. Wir fordern das zuständige Verbraucherschutzministerium und die Strompreisaufsicht auf, dem endlich Einhalt zu gebieten", sagte BEE-Präsident Johannes Lackmann. Und weiter: "Die für 2003 angekündigte Erhöhung liegt erneut doppelt so hoch wie die prognostizierte Steigerung der Steuern und Abgaben im Strombereich. Die Hälfte der vom VdEW angekündigten fünf Prozent planen die Versorgungsunternehmen offensichtlich wieder in die eigene Tasche zu stecken".

Nicht gelten lässt der Verbandspräsident die Argumentation der großen Stromversorger, wonach aufgrund von Schwankungen im regenerativen Stromangebot erhöhte Kosten für die sogenannte Regelenergie aufgewandt werden müssten. Teure Regelenergie, so Lackmann, müsse dann eingesetzt werden, wenn überraschend Ausfälle bei der Deckung des Strombedarfs aufträten. Die 24-Stunden-Prognosen für Windleistung - etwa im E.ON-Netz - seien inzwischen so genau, dass lediglich Abweichungen von plus/minus zehn Prozent, bei 3 bis 6-Stunden-Prognosen sogar nur plus/minus sechs Prozent aufträten. "Nur für diese Abweichungen kann sich die Notwendigkeit ergeben, Regelenergie einzusetzen. Das Bundeskartellamt prüft im Übrigen zurzeit den Verdacht, dass die Preise, die von den Konzernen für die Bereitstellung von Regelenergie angeben werden, völlig überhöht sind", führte Lackmann aus.

Zur aktuellen Kritik des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) an der Förderung erneuerbarer Energien entgegnet Lackmann: "Der BDI und andere Wirtschaftsverbände beklagen, die Kosten der Energiewende seien zu hoch. Bevor eine solche Behauptung aufgestellt wird, müssen sich die Verbände allerdings fragen lassen, warum sie nicht im Interesse ihrer Mitgliedsunternehmen massiv gegen die unzulässigen Preissteigerungen in der Energiewirtschaft vorgehen. Zum anderen müssen bei einer volkswirtschaftlichen Betrachtung die realen Kosten der Energieversorgung zugrunde gelegt werden. Dann zeigt sich schnell, dass die sogenannten Mehrkosten der erneuerbaren Energien erheblich unter dem liegen, was sie auf der anderen Seite an Umweltkosten einsparen. Wir können uns entscheiden, ob wir heute den Aufbau einer alternativen Energieversorgung finanzieren, oder ob wir zukünftig regelmäßig die wesentlich höheren Kosten für die Behebung von Schäden wie zuletzt bei der Flut in Ostdeutschland tragen wollen".