Christliche Ethik

Evangelische Kirche fordert Ausstieg aus Atomenergie

Anlässlich des 20. Jahrestags des Reaktorunfalls von Tschernobyl hat sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in sehr deutlicher Form für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Die lange Endlagerung übersteige den "Horizont menschlicher Verantwortungsfähigkeit".

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Darmstadt (ddp-rps/sm) - Bei der Atomkraft stehe kurzfristiger ökonomischer Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis zu den negativen Folgen, heißt es in einer am Freitag in Darmstadt veröffentlichten Stellungnahme der Kirchenleitung.

Ihre ungewöhnlich klare politische Positionierung begründet die Kirchenleitung unter anderem mit dem Problem der langen Reststrahlung des Atommülls. Der erzeugte radioaktive Abfall müsse für mindestens 250 000 Jahre sicher deponiert werden, dies übersteige bei weitem den "Horizont menschlicher Verantwortungsfähigkeit", betont die EKHN und verweist darauf, dass der Mensch laut christlicher Ethik den Auftrag habe, mit der Schöpfung pfleglich umzugehen.

In ihrer 34-seitigen Stellungnahme spricht sich die EKHN dafür aus, die bis 2020 aus Altersgründen anstehende Erneuerung von Stromerzeugungskapazitäten als Chance zu nutzen, eine nachhaltige Energieversorgung aufzubauen. Eingeleitet werden müsse eine "Revolution" bei der effizienten Nutzung von Energie, fordert die Kirchenleitung.

Jenseits der Atomkraft, so betont die EKHN weiter, bestehe eine realistische und wissenschaftlich begründete Möglichkeit, eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung zu erreichen. Wirtschaftliche und ökologisch vertretbare Alternativen, zu denen die erneuerbaren Energien gehörten, würden bislang noch immer zu wenig beachtet.