Streit zwischen Russland und Ukraine

Europas Versorgung mit russischem Gas angeblich gefährdet

Rußland und die Ukraine streiten offenbar über die Erdgaspreise und da viele der russischen Pipelines, in denen ein großer Teil des russischen Erdgases nach Westeuropa transportiert wird, durch die Ukraine führen, gefährdet diese Auseinandersetzung auch die Versorgung Europas, schreibt "Die Welt".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die russischen Erdgas-Lieferungen für den europäischen Markt sind angeblich nicht mehr sicher. Grund dafür ist ein Streit zwischen Russland und der Ukraine über die Höhe der Gaspreise und die Nutzung der ukrainischen Pipelines, über die ein Großteil des russischen Erdgases nach Westeuropa transportiert wird, wie "Die Welt" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf den russischen Weltmarktführer Gazprom berichtet.

Der bestehende Transitvertrag laufe Ende Dezember aus und bislang gebe es keinen Nachfolgevertrag für das kommende Jahr. "Die Verzögerung bei der Unterzeichnung der Verträge durch die Ukraine gefährdet die störungsfreie Versorgung europäischer Bezieher russischen Gases im Jahre 2006", zitiert die Zeitung aus einer Mitteilung von Gazprom. Russland liefert knapp ein Viertel des in Westeuropa benötigten Erdgases. Rund 80 Prozent der Lieferungen gehen über das Pipeline-Netz der Ukraine.

Derweil erwartet Russland im Gastransportstreit mit der Ukraine Vermittlungsbemühungen von Seiten der EU. Der russische Ministerpräsident Michail Fradkov erklärte nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch in Brüssel, er hoffe, die EU helfe Moskau, den Gasstreit mit der ukrainischen Regierung zu lösen. "Wir haben die Angelegenheit diskutiert und die EU hat ihr Interesse deutlich gemacht, sie will eine freie Gasdurchleitung", sagte Fradkov. Die EU solle die Ukraine von einer Unterbrechung der Gaslieferungen aus Russland abhalten.

Der Streit war eskaliert, nachdem Russland den Gaspreis für die Ukraine ab 2006 auf den europäischen Preis von derzeit 50 auf 160 Dollar pro 1000 Kubikmeter erhöhen wollte. Die Ukraine lehnte dies ab wie auch das russische Angebot, den vollen Marktpreis für die Durchleitung zu bezahlen.