Jahresergebnis vorgestellt

Europäische Energiebörse EEX nimmt am 1. Juli Gashandel auf

Die Energiebörse EEX wird am 1. Juli den Gashandel für Deutschland aufnehmen. Sieben Großanbieter und -abnehmer seien für den Handel bereits gewonnen worden. Außerdem stellte die Strombörse heute ihr Unternehmensergebnis vor, der Jahresüberschuss kletterte um 65 Prozent auf über fünf Millionen Euro.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (ddp-lsc/sm) - Auf den deutschen Gasmarkt kommt Bewegung. Die Energiebörse EEX in Leipzig hat heute angekündigt, zum 1. Juli den Börsenhandel auch für Gas starten zu wollen. Zunächst werde man mit sieben Großanbietern und -abnehmern, so genannten Market-Makern, einsteigen, sagte EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel. Gehandelt werden solle zunächst in zwei Marktgebieten, dem E.ON-Gasmarkt und dem BEB-Gasmarkt.

Die beiden zunächst einsteigenden Teilmärkte würden rund 60 Prozent des gesamten deutschen Gas-Marktes abdecken, erklärte Menzel. Den sieben Groß-Anbietern würden für ihr Risiko, als erste am Handel teilzunehmen, die Transaktionsentgelte erlassen. Zielgrößen für das Gas-Handelsvolumen nannte Menzel nicht. Die EEX wolle sich zunächst zwei bis drei Jahre Zeit und sich den Markt entwickeln lassen. Ziel solle sein, mittelfristig über den Börsenhandel einen einheitlichen deutschen Gaspreis zu ermitteln, den es jetzt noch nicht gebe.

Menzel: Politik soll Märkte nicht verunsicher

Nach den Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Wochen appellierte Menzel an die Politik, sich möglichst wenig in den Markt einzumischen. Das bisherige Modell in Deutschland mit einem freien Strommarkt und einem monopolisierten, aber von Behörden beaufsichtigten Netz, sei ein Erfolgsmodell. Eine Abwendung vom Markt hätte in Energiefragen negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, unterstrich er. Die EEX habe unter den Schlagzeilen, ihre Preise würden mitunter von Großkonzernen manipuliert, nicht gelitten. Es habe keine Einbrüche beim Handelsvolumen gegeben, sagte Menzel.

Sorge mache ihm aber, dass ein immer größerer Teil des Stromhandels an der streng reglementierten Börse vorbei im außerbörslichen Handel abgewickelt werde. Dabei einigen sich zwei Handelspartner außerhalb der Börse auf einen Preis und sichern nur die Abwicklung des Geschäfts über einen Dritten ab. Dieser so genannte OTC-Anteil mache beim Strom-Terminmarkt mittlerweile rund zwei Drittel aus. "Das ist nicht das, was wir uns alle wünschen", sagte Menzel. Allerdings habe die EEX durch ihre eigene OTC-Tochter ECC auch stark an dieser Entwicklung profitiert, räumte Menzel ein. Die ECC habe im vergangenen Jahr zum Konzern-Jahresüberschuss 2,18 Millionen Euro beigetragen.

Ermittlungen wegen Manipulationsvorwürfen laufen

Die Staatsanwaltschaft Leipzig erklärte unterdessen, wegen des Vorwurfs der Preismanipulation gegen die EEX und Stromkonzerne Vorermittlungen aufgenommen zu haben. Ob es ein offizielles Ermittlungsverfahren geben wird, sei derzeit noch nicht klar, sagte ein Behördensprecher. Der Sachverhalt sei sehr umfangreich und kompliziert.

Das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als zuständige Aufsichtsbehörde erklärte, man prüfe ebenfalls die umstrittenen Handelsdaten der EEX auf Auffälligkeiten. Das Problem hoher Strompreise und möglicherweise intransparenter Handelsvorgänge liege aber vermutlich eher bei den beteiligten Unternehmen und nicht im EEX-Handel selbst. Das Bundeskartellamt führt indes kein eigenes Verfahren. Stattdessen habe sich die Europäische Kommission des Themas angenommen, sagte ein Behördensprecher. Sollten sich Vorwürfe erhärten, werde man gemeinsam mit der EU die Lage auswerten.

Die EEX stellte heute außerdem ihr bestes Unternehmensergebnis seit der Gründung vor rund fünf Jahren vor: Die Umsatzerlöse im Jahr 2006 kletterten um 61 Prozent auf 37,8 Millionen Euro (2005: 23,5 Millionen Euro). der Jahresüberschuss stieg um 65 Prozent von 3,37 Millionen Euro auf 5,56 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegt bei 11,45 Millionen Euro (2005: 7,56 Millionen Euro).

Das Handelsvolumen am Spotmarkt Strom betrug im letzten Jahr 89 Terawattstunden und ist damit fast unverändert im Vergleich zum Vorjahr (86 Terawattstunden), Das Handelsvolumen Terminmarkt Strom hat sich von 517 Terawattstunden im Jahr 2005 auf 1044 Terawattstunden fast verdoppelt.