Verbraucher verunsichert

Europäer kaufen Energiesparlampen - nur Deutsche skeptisch

In ganz Europa steigen die Kunden bereits auf Energiesparlampen um. In Deutschland und Österreich gibt es allerdings regelrechte Hortungskäufe. Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern stiegen die Verkaufszahlen der Glühbirne in Deutschland in diesem Jahr kräftig an. Experten bewerten den Run auf die Glühbirnen aber nicht als sinnvoll.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/ddp-bay/red) - Viele Verbraucher hängen an der traditionellen Birne und kauften kurz vor dem Beginn des Glühbirnen-Verbots noch einmal kräftig ein. So stieg der Umsatz von Glühbirnen in Deutschland laut der GfK im ersten Halbjahr 2009 um gut ein Drittel an, während er in anderen EU-Ländern deutlich zurückging. In den Niederlanden wurden knapp 35 Prozent weniger Glühbirnen verkauft, in Großbritannien 23 Prozent und in Frankreich fast neun Prozent weniger.

Osram: Verbesserungen bei Energiesparlampen

"Die Deutschen sind offenbar zurückhaltender bei neuen Technologien", meint Christian Schraft vom Leuchtmittelhersteller Osram. Auch spiele eine "gewisse Nostalgie" gegenüber der Glühbirne eine Rolle. Viele Kunden hatten in der Vergangenheit über verschiedene Eigenschaften der Energiesparlampen geklagt. Das Licht war zu weiß und kalt, die Verzögerung zwischen der Betätigung des Lichtschalters und dem Aufleuchten der Lampe wurde als zu lang empfunden. "Die Bedenken der Kunden haben wir sehr ernst genommen", betont Schraft. Osram habe schon lange an Verbesserungen gearbeitet, durch das EU-Verbot habe das Unternehmen die Aktivitäten weiter verstärkt.

Deutsche schauen nur auf das Preisschild

Die Alternativen, die den Verbrauchern angeboten werden, heißen Energiesparlampe, Halogenleuchte und Leuchtdioden (LED). Ihre Stärken liegen vor allem im niedrigen Stromverbrauch, in der Leistung und der bis zu zehnfachen Lebensdauer. Bei den Hamsterkäufen von Glühbirnen steht aber meist schlicht der Blick auf das Preisschild im Vordergrund. Eine herkömmliche Glühbirne kostet etwa einen Euro, eine Energiesparlampe hingegen fünf Euro und eine Halogenglühlampe sogar acht bis zehn Euro. "Die Leute kalkulieren nicht auf Jahre, wenn sie spontan auf das Verbot reagieren", sagt GfK-Marktforschungsexpertin Alice Pirgov.

Energiesparlampen mit verschiedenem Licht erhältlich

Neben dem Preis gefällt vielen Verbrauchern das Licht der Energiesparlampen nicht. Doch Jan de Boer, der den Bereich Lichttechnik des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik leitet, warnt vor Pauschalurteilen. Es gebe inzwischen eine große Bandbreite an Energiesparlampen und Halogen-Leuchten, die dem Licht der herkömmlichen Glühbirne mehr oder weniger nahe kämen.