Energiepolitik

EU will Energieeffizienz um 30 Prozent steigern

Wände dämmen, Klima schonen und weniger Gas aus Russland - das sind die Ziele der EU-Kommission im Kurzformat. Am Mittwoch präsentierte sie das dritte der drei Hauptziele für das Jahr 2030. Es sieht eine um 30 Prozent gesteigerte Energieeffizienz vor.

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Brüssel (AFP/red) - In der EU-Politik in den Bereichen Energie und Klima spielt der Schutz des Klimas vor den gefährlichen Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid (CO2), eine Hauptrolle. Die Energie- und Klimapolitik soll aber noch mehr: Für günstige Energiepreise für Verbraucher und die Wirtschaft sorgen und die Abhängigkeit von Importen, zum Beispiel von russischem Gas, verringern. Auch neue Jobs in zukunftsträchtigen Technologien sind ein Thema.

Worin besteht die Energie- und Klimapolitik?

In einer langen Reihe verschiedenster Maßnahmen. Energiepolitik steckt im sogenannten Glühbirnenverbot, durch das die herkömmlichen Glühbirnen schrittweise vom Markt verschwinden, weil sie zuviel Energie in unnütze Wärme verwandeln. Sie steckt in Vorgaben für die energetische Sanierung von Gebäuden ebenso wie in den CO2-Grenzwerten für Autos. Hauptpfeiler der Strategie ist der Emissionshandel. Dabei müssen Unternehmen über ein Handelssystem dafür zahlen, dass sie das Klima durch ihre Abgase belasten.

Was gilt derzeit?

Derzeit gelten die 20-20-20-Ziele, die 2020 erreicht werden sollen. Das heißt, 20 Prozent weniger Ausstoß von Treibhausgasen, gemessen an 1990, ein Anteil von 20 Prozent der erneuerbaren Energien wie Windkraft am Energiemix und 20 Prozent mehr Energieeffizienz.

Was bedeutet Energieeffizienz?

Es geht darum, wieviel Energie für eine bestimmte Sache verbraucht wird. Das kann die Beleuchtung des Wohnzimmers, die Herstellung einer Ware oder eine Autofahrt sein. Effizienz bedeutet, mit möglichst wenig Energie auszukommen. Das Effizienzziel oder Einsparziel wird in zwei Schritten berechnet. Zunächst wird geschätzt, wieviel Energie wohl in der Zukunft, etwa im Jahr 2020 oder 2030, gebraucht würde, wenn alle bislang beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden ("business as usual"). Darauf wird dann das Ziel gegründet: 20 oder 30 Prozent bedeutet, dass verglichen mit jener Schätzung soviel Prozent weniger Energie verbraucht wird.

Ist diese Berechnung unproblematisch?

Nein. Greenpeace kritisiert die Berechnung des 2030er-Ziels als irreführend. Denn die Schätzungen für 2030 seien bereits 2007 angestellt worden - "also vor der Wirtschaftskrise, und bevor die EU im Jahr 2012 verbindliche Maßnahmen vorschrieb", erläutert Energieexpertin Franziska Achterberg gegenüber AFP. Damals sei von einem höheren Energieverbrauch für 2030 ausgegangen worden als heute. Würden die aktuellsten Schätzungen von Ende 2013 vorausgesetzt, so betrage das angebliche 30-Prozent-Ziel bloß noch zwölf Prozent, argumentiert die Greenpeace-Expertin.

Wird überhaupt das Effizienzziel für 2020 erreicht?

Danach sieht es im Moment nicht aus. Die EU-Kommission schätzt, dass nur 18 bis 19 Prozent geschafft werden. Allerdings könne dies allein dadurch geändert werden, wenn die EU-Staaten alle schon verabredeten Schritte in der Energiesparpolitik umsetzen würden - dann sei das 20-Prozent-Ziel weiterhin erreichbar.

Was ist mit den anderen beiden Zielen für 2030?

Diese beiden Ziele hat die Kommission schon Anfang des Jahres vorgestellt. Sie lauten 40 Prozent weniger Treibhausgas-Ausstoß und 27 Prozent Anteil der erneuerbare Energien. Die für 2020 geltenden 20-20-20-Ziele sollen also nach dem Willen der EU-Kommission für 2030 durch eine 40-27-30-Zielmarke ersetzt werden.

Wie geht es weiter?

Die EU-Kommission hat jetzt alle drei Ziele vorgeschlagen, beschlossen sind sie damit noch nicht. Im Oktober soll sich ein EU-Gipfel mit den Plänen befassen.

Quelle: AFP