Der Tagesspiegel

EU-Ratspräsident fordert europäischen Energie-Regulator

Europäische statt nationale Champions - das forderte der österreichische Wirtschaftsminister und derzeitige EU-Ratspräsident Martin Bartenstein in einem Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag". Seiner Meinung nach müsse ein europäischer Regulierer grenzüberschreitend für Wettbewerb sorgen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der österreichische Wirtschaftsminister und amtierende EU-Ratspräsident, Martin Bartenstein (ÖVP), hat die französische Abwehr gegen einen möglichen Zusammenschluss der italienischen Enel mit dem französischen Energiekonzern Suez scharf kritisiert. "Diese Entwicklung ist der Glaubwürdigkeit des Binnenmarktes alles andere als dienlich. Es geht nicht darum, das Spiel der nationalen Champions zu spielen, wir brauchen europäische Champions. Wäre Airbus im Geiste des Protektionismus entstanden, hätte man nicht einmal ein Segelflugzeug bauen können", sagte Bartenstein im Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Gleichzeitig kritisierte er die großen geplanten internationalen Fusionen. "Es kann nicht sein, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten hier sehenden Auges Oligopole entstehen lassen. Es ist absehbar, dass dann die Konsumenten durch höhere Preise auf der Strecke bleiben", sagte Bartenstein.

Der Energiebinnenmarkt befinde sich derzeit noch in einem "embryonalen Stadium". Deswegen gebe es "sehr deutliche Strompreissteigerungen, die nicht nur mit Öl- und Gaspreiserhöhungen zu tun haben". Bartenstein forderte eine europäische Wettbewerbsaufsicht für den Energiemarkt. "Wir brauchen einen europäischen Regulator, eine Behörde, die grenzüberschreitend für fairen Wettbewerb sorgt", forderte er.