Ukraine-Konflikt

EU probt den "Worst Case" im Gasstreit

Die EU bereitet sich im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine auf eine mögliche Eskalation vor und erarbeitet Worst-Case-Szenarien. Energiekommissar Oettinger hält die Lage für ernst und warnt davor, die Sanktionen gegen Russland noch auszuweiten.

Erdöl Pipeline© James / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Die EU bereitet sich nach Angaben von Energiekommissar Günther Oettinger auf eine mögliche Eskalation des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine vor. Dazu würden in Brüssel Worst-Case-Szenarien erarbeitet, das heißt, was im schlimmsten Fall passieren könnte. "Die Lage ist ernst", sagte Oettinger am Donnerstag bei einer Balkan-Konferenz in Berlin.

Anspruch auf faire Preise und Bezahlung der Rechnungen

Er erwarte zwar nicht, dass Russland oder das Transitland Ukraine den Gashahn zudrehten, "aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht gleich null". Russland könne zu Recht erwarten, dass Kiew seine Gas-Rechnungen bezahle. Umgekehrt hätten die Ukraine und alle anderen Länder den Anspruch, dass sich faire Gaspreise am Markt bildeten und nicht in Hinterzimmern der Politik.

Sanktionen im Energie-Bereich nicht ausweiten

Oettinger warnte zugleich davor, die westlichen Sanktionen gegen Russland im Energie-Bereich auszuweiten. Gerade der Gasmarkt sei dafür kein geeigneter Sektor. Russland, die Ukraine, die EU und der Westbalkan würden alle Verlierer sein.

Der russische Gasmonopolist Gazprom, der in Südosteuropa die ganze Wertschöpfungskette beherrschen wolle, habe zu viel Macht und zeige zu wenig Einsicht, kritisierte Oettinger: "Sie verstehen die Regeln sehr gut, aber sie akzeptieren sie nicht." Zugleich hält der CDU-Politiker, der in der neuen EU-Kommission als Handelskommissar im Gespräch ist, es aber für falsch, Gazprom-Manager auf die EU-Sanktionsliste zu setzen. Der Dialog mit Moskau sei wichtig.

Oettinger befürchtet Gas-Diebstahl

Oettinger dringt auf eine eine Lösung des Gasstreits der Ukraine mit Russland. "In einem langen und kalten Winter hat die Ukraine nicht genügend Speichergas, nicht genügend eigenes Gas, und dann besteht die Gefahr, dass Gas gestohlen wird, auf dem Wege von Ost nach West einfach verloren geht", sagte er am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin".

Quelle: DPA