Verdacht der Preisabsprachen

EU-Großrazzia bei deutschen Stromkonzernen

Wegen des Verdachts auf Marktmissbrauch haben die EU-Wettbewerbsbehörden am Dienstag die Zentralen mehrerer deutscher Stromkonzerne durchsucht. Kommissionssprecher Jonathan Todd sagte, die Kommission habe Gründe zu glauben, dass die Unternehmen gegen Wettbewerbsrecht verstoßen haben.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Namen der betroffenen Unternehmen nannte der EU-Sprecher nicht. Eine Sprecherin des Bundeskartellamts in Bonn erklärte, ihre Behörde habe Amtshilfe geleistet. Zu Details wollte sie sich ebenfalls nicht äußern.

Die "Berliner Zeitung" berichtete, dass EU-Ermittler im Tagesverlauf in einer koordinierten Aktion mit dem Bundeskartellamt die Zentralen der großen deutschen Stromkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und Energie Baden-Württemberg (EnBW) durchsucht hätten.

Der Zeitung zufolge gehen die Ermittler wie schon bei einer ersten Durchsuchungsaktion bei den Konzernen E.ON und RWE im Mai dieses Jahres dem Verdacht nach, dass es im Stromsektor zu einem Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung dieser Unternehmen etwa in Form von Gebiets- oder Preisabsprachen gekommen sein könnte. Hätten sich die EU-Ermittler im Mai dieses Jahres im Wesentlichen auf den Handel der Energiekonzerne konzentriert, so hätten diesmal auch die Kraftwerkssparten mit der Stromerzeigung sowie die für den Stromtransport verantwortlichen Netztöchter der Unternehmen im Visier der Fahnder gestanden.

Ein Sprecher von E.ON Energie bestätigt die jüngsten Durchsuchungen. Eine RWE-Sprecherin sagte, die Kommission führe derzeit Nachprüfungen bei europäischen Energieunternehmen durch, "so auch bei der RWE". "Wir werden mit den Behörden kooperieren", kündigte sie an. Dass es Durchsuchungen bei RWE gegeben hat, wollte sie weder bestätigen noch dementieren. Ein EnBW-Sprecher bestätigte Durchsuchungen in der Netzsparte und der Unternehmenszentrale in Karlsruhe. "Wir sehen die Durchsuchungen gelassen. Wir sind zwar ein großes Energieunternehmen aber nicht marktdominierend", sagte er.