Importe

EU: Erdgasrichtlinie soll vor Abhängigkeit schützen

Die EU sollte aus dem "Gasstreit" zwischen Russland und der Ukraine vorallem eines lernen: Die Importabhängigkeit von nur einem Marktteilnehmer muss verringert werden. Das soll durch die Umsetzung der "neuen" Gasrichtlinie bis Mai 2006 geschehen, wie die Kommission nun erneut betonte.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Brüssel (red) - Der (Mitte letzter Woche beendete) "Gasstreit" zwischen Russland und der Ukraine beunruhigt auch die EU-Kommission, da mehr als 50 Prozent des in der EU verbrauchten Gases importiert wird und sich diese Abhängigkeit bis 2020 auf über 70 Prozent erhöhen könnte. Sie will deshalb die Versorgung nicht einzelnen Martkakteuren überlassen und den EU-Binnenmarkt mit der "neuen" EU-Erdgasrichtlinie (2003/55/EG) funktionabel machen, die bis Mai 2006 umgesetzt sein muss, heißt es im aktuellen Mitteilungsblatt der Kommissin.

Die Staaten sollen künftig "transparent, solidarisch und diskriminierungsfrei" vorgehen. Dazu sollen Hindernisse wie hohe Netzzugangsentgelte oder die Beherrschung der Gasgewinnung und -einfuhr durch wenige Unternehmen überwunden werden. Die Aufgabe der EU-Kommission soll es dabei sein, Verträge zur Gaseinfuhr mit Drittländern zu prüfen und die Vernetzung der Erdgasnetze innerhalb der Union voranzubringen.

Welche Energiequellen in welchem Maße genutzt werden soll jedoch auch weiterhin in den Kompetenzbereich der Mitgliedstaaten fallen. Erdgas nehme im EU-Maßstab eine immer wichtigere Rolle ein. Der Bruttoverbrauch ist laut Mitteilungsblatt in den vergangenen zehn Jahren von 320 auf 460 Millionen Tonnen konstant gestiegen, jedoch mit erheblichen Unterschieden zwischen den Mitgliedstaaten. Gegenüber 2003 erhöhte sich der Verbrauch 2004 in Portugal (plus 25,4 Prozent), Spanien (plus 16,8 Prozent), Luxemburg (plus 12,7 Prozent) und Frankreich (plus 12,3 Prozent). Am stärksten zurückgegangen sei die Nutzung in der Slowakei (minus 4,1 Prozent), Belgien (minus 3,3 Prozent) und Finnland (minus 3,2 Prozent). In Deutschland sei sie nahezu konstant geblieben.

Klar sei auch, dass der europäische Erdgasbedarf nicht durch innereuropäische Quellen gestillt werden kann. Zwar habe sich die Erdgasproduktion in Europa kontinuierlich erhöht und 2004 einen Wert von 211 Millionen Tonnen Rohöleinheiten erreicht, die Erdgasimporte betrugen jedoch im gleichen Jahr 319 Millionen Tonnen. Damit habe die Energieabhängigkeit 2004 bei 54,7 Prozent (2003: 53,1 Prozent) gelegen. Deutschland sei dabei zu 82,4 Prozent auf Erdgasimporte angewiesen.

Russland verfüge etwa über ein Drittel der weltweiten Gasreserven und sei mit rund 30 Prozent Anteil wichtigster Lieferant für Europa. Ob dies angesichts des Lieferstopps gegen die Ukraine so bleiben kann, ist für die EU jedoch zu einer zentralen Frage geworden.

Als wichtigste Routen identifizierte die EU-Kommission unterdessen folgende:

  • von Russland über Weißrussland und Polen nach Deutschland
  • von Russland über die Ukraine, die Slowakei und Tschechien nach Deutschland bzw. über Österreich nach Italien
  • von Norwegen unter anderem nach Deutschland, Belgien und Frankreich
  • von Algerien nach Spanien und über Tunesien nach Italien

Eine andere Einspeisung ist der Transport per Schiff in verflüssigter Form, den so genannten LNG-Tankern (Liquified Natural Gas). Deutschland verfügt allerdings bisher nicht über ein LNG-Terminal, in dem Flüssiggas umgewandelt wird. LNG-Terminals gibt es etwa in Seebrügge (B), Montoir (F), Bilbao und Barcelona (E), La Spezia (I) sowie Athen (GR).