Atomausstieg

Ethikkommission übergibt Bericht zur Atomwende

Die Energie-Ethik-Kommission hat am Montagmorgen offiziell ihre Empfehlungen zum Atomausstieg an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben. Unterdessen wurden weitere Vorbehalte gegenüber der von FDP-Seite geforderten "stillen AKW-Reserve" laut.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin/München (dapd/red) - "Die Ethik-Kommission ist der festen Überzeugung, dass der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie innerhalb eines Jahrzehntes mittels der hier vorgestellten Maßnahmen zur Energiewende abgeschlossen werden kann", heißt es in dem unter Leitung des früheren Umweltministers Klaus Töpfer erstellten Papiers. Darin wird auch die sofortige Stilllegung der sieben ältesten Meiler und des Kraftwerkes Krümmel empfohlen.

Merkel sagte, die Arbeit der Kommission habe gezeigt, dass das deutsche Energiesystem grundlegend verändert werden müsse und könne, sagte Merkel. Es sei eine ganz neue Architektur des Energiewesens nötig. Die Empfehlungen der Kommission sollten die Richtschnur für das sein, was die Politik leite. Der Bericht werde nicht in den Schrank gestellt, sondern auch Wirkungen haben, sagte die Kanzlerin.

FDP verteiligt "stille Reserve"

Unterdessen hat der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle die Koalitionspläne für das Vorhalten mehrerer Atomkraftwerke als Reserve verteidigt. Eine solche Reserve sei notwendig für die Netzstabilität, sagte Brüderle am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Grüne sprechen von "Hintertürchen"

Dabei handele es sich keineswegs um eine Hintertür aus dem Atomausstieg. Es gehe vielmehr darum, mögliche Blackouts in der Stromversorgung zu vermeiden. Die Kritik der Grünen an den geplanten Reserven wies Brüderle zurück. "Die Opposition sucht das Haar in der Suppe", fügte der FDP-Politiker hinzu. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hatte von "Hintertüren" gesprochen, die "in einem bisher nicht überprüfbaren Maß" die Möglichkeit beinhalteten, "Strommengen von einem Atomkraftwerk aufs andere zu übertragen und auf diese Weise Verlängerungen einzubauen".

Brüderle schließt Import von Atomstrom aus

Die durch den Atomausstieg entstehende Lücke in der Energieversorgung muss laut Brüderle mit dem Bau weiterer Gaskraftwerke überbrückt werden. Bis 2020 solle dann der Anteil regenerativer Energien von derzeit 17 Prozent auf 35 Prozent gesteigert werden. Einen Import von Atomstrom aus dem Ausland schloss Brüderle aus.