Live-Diskussion

Ethikkommission berät live über Atomausstieg

Sieben Wochen nach Fukushima ist die Ethikkommission zu ersten öffentlichen Beratungen über die neue Energiepolitik in Deutschland zusammengekommen. Eine Zukunft ohne Kernenergie soll so schnell wie möglich realisiert werden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) – Die Mitglieder der Ethikkommission wollen sich live im Fernsehen und im Internet etwa elf Stunden lang beraten. Klaus Töpfer sagte, bereits vor der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl habe es die gemeinsame Überzeugung in Deutschland gegeben, dass Atomkraft keine Technologie für alle Zeiten sei. Sie werde vielmehr als Technologie begriffen, die in eine Zeit führe, in der erneuerbare Energien die Energieversorgung bestimmten.

Ausstieg aus Kernenergie überhaupt möglich?

Die Frage sei, wie schnell der Ausstieg aus der Kernenergie bewerkstelligt werden könne, sagte Töpfer. Dies bedinge auch Fragen nach den Konsequenzen, also beispielsweise die, ob ein Ausstieg ohne "soziale Verwerfungen" - wie einem Anstieg der Energiepreise - möglich sei. Auch der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Klimaschutz seien Aspekte, die es zu beachten gelte. Ein Atomausstieg dürfe auch nicht dazu führen, dass Strom aus ausländischen Atomkraftwerken importiert werde.

Die Ergebnisse der ersten Sitzung fließen in die zweite Klausursitzung der Kommission vom 13. bis 15. Mai ein. Die Empfehlungen stellt die Kommission in einer ebenfalls öffentlichen Abschlusssitzung am 28. Mai in Berlin vor.

Öffentliche Sitzung als Zeichen der Transparenz

Der Co-Vorsitzende Matthias Kleiner sagte, die Ethikkommission wolle mit der Öffnung der Beratungen für die Öffentlichkeit "ein Zeichen setzen, ein Zeichen für Transparenz". Denn der Wandel in der Energieversorgung müsse auf Öffentlichkeit und Vertrauen setzen. Kleiner versprach eine "umfassende Debatte" mit dem Ziel eines breiten gesellschaftlichen Konsenses. Nur so sei eine sichere Energieversorgung für die Zukunft zu erreichen.

"Es gibt keine einfachen Antworten, es gibt keine geraden Wege", mahnte Kleiner. Es gebe wohl mehrere Wege, die parallel gegangen werden müssten. Nicht der "der Wettbewerb der Bedenken" sei gefragt, sondern die "Vielfalt der Lösungen".

Live-Übertragung im TV und Internet

Der Fernsehsender Phoenix will die gesamte Sitzung live übertragen. Zudem wird die Veranstaltung im Internet auf www.bundesregierung.de gezeigt. Während der Sitzung werden rund 30 Gäste konkrete Empfehlungen geben. Dabei sind neben Wirtschaftsvertretern auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und Brot für die Welt.