Keine gesicherte Grundlage

Essent-Chef kritisiert Strom- und Gasmarktentwicklung

Bei der Entwicklung des Strom- und Gasmarktes sei Deutschland rückständig, es gebe noch keine gesicherte Grundlage für die Öffnung der Gasmärke, meint Paul van Son von der Deutschen Essent GmbH. Das Unternehmen habe sich jedoch trotz der schwierigen Rahmenbedingungen äußerst positiv entwickelt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Einen deutlichen Rückstand Deutschlands bei der Entwicklung der Märkte für Strom und Gas sieht Paul van Son, Geschäftsführer der deutschen Essent GmbH. Auf der Essener Energiefachmesse E-world kritisierte er, dass es immer noch keine gesicherte Grundlage für die Öffnung der Gasmärkte gäbe. "Es steht immer noch in den Sternen, wann die Regulierungsbehörde ihre Tätigkeit wirklich aufnehmen wird", erklärte er. Nur mit verlässlichen und fairen Regelungen werde sich aber zum langfristigen Nutzen von Stadtwerken und Verbrauchern ein wirklicher Wettbewerb im Gasmarkt entwickeln. "Der Gesetzgeber muss hier endlich handeln."

Ausdrücklich begrüßte van Son die Initiative des Kartellamtes, das langfristige Vollversorgungsverträge bei Gas untersagen will: "Die derzeit üblichen Verträge bedeuten praktisch den Ausschluss des Wettbewerbs. Das kann nicht so bleiben." Ein funktionierender Markt sei letztlich auch Garant für langfristige Versorgungssicherheit, merkte er an. Voraussetzung ist, dass genügend Liquidität im Markt sei, und dass lasse sich nur erreichen, wenn die derzeitigen Vollversorgungsverträge durch flexiblere Regelungen ersetzt würden.

Unabhängig vom schleppenden Fortgang des Deregulierungsprozesses blicke die Deutsche Essent auf ein erfolgreiches Jahr 2004 zurück, so der Geschäftsführer. Mit Investitionen von rund 200 Millionen Euro habe das Unternehmen erneut sein Engagement im deutschen Markt unterstrichen. Größtes Einzelvorhaben dabei war ein Gasspeicher in Gronau-Epe, der in Kürze mit dem deutschen Netz verbunden wird. Auch die Beteiligungsgesellschaften swb (Bremen), WINKRA (Hannover) und KOM-STROM (Leipzig) hätten sich positiv entwickelt. Neben den Beteiligungen an Stadtwerken und dem Engagement bei den erneuerbaren Energien bleibt die enge Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Energieversorgern über die KOM-STROM ein Entwicklungsschwerpunkt der Deutschen Essent. Mit den Verbindungen zu den Stadtwerken wolle man in neue Geschäftsfelder wie Kraftwerksleistungen und Portfoliomanagement expandieren. Insbesondere im Gasgeschäft könne die Deutsche Essent den Stadtwerken interessante Alternativen im Beschaffungsmarkt beiten. "Sobald es die Rahmenbedingungen erlauben", fügte er hinzu.