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Strom und Treibstoff aus WasserstoffIn Prenzlau wurde heute der Grundstein für ein Hybridkraftwerk gelegt. Bei der Anlage handelt es sich nach Angaben des Investors Enertrag um das weltweit erste Wasserstoff-Wind-Biogas-Hybridkraftwerk, dieses bringt Windkraft, Biogas und Wasserstoff physikalisch miteinander in Verbindung.
Prenzlau (ddp.djn/red) - Jörg Müller ist von der neuen Technik überzeugt. "Rein technisch gesehen könnten wir in 15 Jahren die Braunkohle ablösen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens Enertrag. Die brandenburgische Firma errichtet in Prenzlau in der Uckermark das nach Unternehmensangaben weltweit erste Hybridkraftwerk. Es produziert aus Wasserstoff sowohl Strom als auch Treibstoff. Den Grundstein für die 21 Millionen Euro teure Anlage legten am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).
Merkel bezeichnete das Vorhaben als "qualitativen Meilenstein". Es führe unterschiedliche erneuerbare Energieträger zusammen und sei damit richtungsweisend für die Zukunft. Kraftwerke dieser Art könnten dabei helfen, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht. Bis 2020 sollen bundesweit 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs über regenerative Energien gedeckt werden.
Merkel betonte, dem Sektor regenerative Energien gehöre die Zukunft. Wichtig sei, die Voraussetzungen zur Nutzung dieser Energiequellen weiter zu verbessern. So bringe der Bundestag derzeit ein Gesetz zum Leitungsbau auf den Weg. Es werde nicht möglich sein, alle Leitungen unterirdisch zu verlegen. Das sei weder technisch noch finanziell machbar.
Platzeck sprach mit Blick auf die neue Kraftwerkstechnik von einem "Quantensprung" bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Von der Uckermark und Brandenburg gehe ein Signal aus, das weit über Deutschland hinaus reiche. Der SPD-Politiker zeigte sich davon überzeugt, dass es in 20 Jahren viele solcher Kraftwerke geben wird.
Das Hybridkraftwerk soll in einem Jahr in Betrieb gehen. Nach Angaben von Enertrag werden damit erstmals in einer industriellen Anlage Windkraft, Biogas und Wasserstoff physikalisch miteinander in Verbindung gebracht. Drei Windkraftanlagen produzieren Strom. Wird mehr Strom erzeugt, als aktuell benötigt, produziert ein Elektrolyseur aus dem Überschuss Wasserstoff. Dieser wird anschließend gespeichert.
In windschwachen Zeiten kann der Wasserstoff mit einem ebenfalls in dem Kraftwerk produzierten Biogas gemischt und in zwei Blockkraftwerken wieder in Strom und Wärme umgewandelt werden. Damit liefert das Kraftwerk unabhängig von Windschwankungen Energie. Der Wasserstoff kann auch als CO2-freier Kraftstoff zum Antrieb von Autos verwendet werden.
Müller verweist darauf, dass zunächst eine kleine Anlage gebaut werde. Sie könne 2000 bis 3000 Haushalte in der Region versorgen. Das sei erst einmal nicht rentabel. Das Unternehmen setze auf die künftige Einspeisung des Wasserstoffs in Erdgasnetze. Werde der Kraftstoff zunächst in einem Tank gespeichert, soll er künftig direkt in Gasleitungen fließen.
Das Kraftwerk entstehe an der geplanten Erdgasfernleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung), fügt Müller hinzu. Darin sehe er große Perspektiven, dies werde das Hybridkraftwerk wirtschaftlich machen. Enertrag schließe die Lücke zwischen erneuerbaren Energien und energieeffizienter Mobilität. Der regenerativ erzeugte Wasserstoff werde eine CO2-neutrale Mobilität der Fahrzeuge ermöglichen.
Dass die Technik schon in 15 Jahren die Braunkohle ersetzen kann, ist jedoch nach Ansicht von Müller unwahrscheinlich. Denn der Bau von entsprechenden Anlagen sei ein "riesiger Kraftakt", der nicht von heute auf morgen zu stemmen sei. Für den Bau des ersten Kraftwerks hat das Unternehmen eine Förderung beim Land beantragt. Nach Angaben von Regierungssprecher Thomas Braune wird derzeit geprüft, ob zwei Drittel der reinen Kraftwerkskosten von 6,5 Millionen Euro übernommen werden.
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