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Erstes Geothermie Kraftwerk in Hessen soll 2013 laufen

Der Energieversorger Überlandwerk Groß-Gerau (ÜWG) will im Jahr 2013 das erste Geothermiekraftwerk Hessens in Betrieb nehmen. Derzeit erkundet das Unternehmen ein rund 240 Quadratkilometer großes Gebiet im Bereich der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau sowie des Rhein-Taunus-Kreises, um den besten Standort zu finden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Büttelborn (ddp-hes/red) - Das geplante Geothermie-Kraftwerk soll den Stromverbrauch von rund 7200 Haushalten decken. Bei einem solchen Kraftwerk werden die Turbinen mit heißem Wasser aus tieferen Gesteinsschichten angetrieben.

Heißes Wasser in 2000 Metern Tiefe

Der Oberrheingraben biete ideale Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme, über die kaum ein anderer Landstrich verfüge, betont Johann-Gerhard Fritsche vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). In der Region gebe es bereits in einer Tiefe von 2000 Metern Gesteinsschichten, in denen 120 Grad heißes Wasser eingelagert sei. "Erst ab dieser Wassertemperatur ist es wirtschaftlich sinnvoll, Strom aus Erdwärme zu gewinnen." In der für Erdwärmeanwendungen interessanten Region hätten sich mehrere Unternehmen entsprechende Erkundungsrechte gesichert.

Ängste vor Geothermie laut Experten unbegründet

Aufsehenerregende Vorfälle nach geothermischen Bohrungen wie die Überschwemmung vor dem Finanzministerium in Wiesbaden oder sich hebende Häuser im baden-württembergischen Staufen weckten indes Ängste vor dieser neuen Art der Energiegewinnung. Bei diesen Fällen habe es sich um oberflächennahe Geothermie gehandelt, deren Bohrungen nicht tiefer als 400 Meter gereicht hätten, sagt Fritsche. Bei tieferen Bohrungen werde eine andere Technik verwendet. So würden bei den Bohrungen unter anderem verschiedene Rohre ineinandergeschoben und das Erdreich entsprechend abgesichert, um den ungewollten Austritt von Wasser zu verhindern.

In Staufen sei austretendes Wasser zudem unglücklicherweise auf eine Anhydritschicht getroffen. "Die Flüssigkeit ließ das Mineral aufquellen, welches anschließend den Erdboden anhob", erläutert Fritsche. Um solche Vorkommnisse in Hessen zu verhindern, seien Regionen, in denen Anhydrit vorkomme, als "ungünstige Gebiete" ausgewiesen worden.

Zwei bis drei besorgte Menschen pro Woche

Ingo Sass vom Institut für Angewandte Geowissenschaften der Technischen Universität Darmstadt berichtet von "etwa zwei bis drei besorgten Menschen pro Woche, die sich melden, um sich über die Gefahren von Geothermie zu informieren". Der Geologe schätzt die Risiken der neuen Technologie ihm Vergleich zu deren Potenzial als gering ein. Wenn die Kernenergie abgelöst werden solle, sei "es einfach notwendig, neue Wege zu gehen", sagt Sass. Im Gegensatz zur Wind- und Sonnenenergie sei die Geothermie unabhängig vom Wetter und jederzeit verfügbar.